Barossa Valley
Barossa Valley

Barossa Valley

Von den Adelaide Hills kommend, übernachten wir auf einem BIG-4 Caravan-Park in Nuriootpa. Als wir kurz vor 18 Uhr den Campsite erreichen, hat der Empfang bereits seit einer Stunde geschlossen. Zum Glück wurde uns die Platznummer, der Code für die Zufahrtsschranke als auch für die Toiletten außerhalb des Büros an einem Board aufbewahrt. Wir haben neben zwei anderen Unwissenden die Bürozeiten „9 to 5“ einfach noch nicht verinnerlicht.

Die Wäsche können wir nun doch nicht wie geplant waschen, da die Waschmaschinen nur mit Einwurf von Münzgeld ihren Dienst tun und wir keine Münzen haben. Kein Mensch nutzt in Australien noch Bargeld, so dass uns auch die umliegenden Nachbarn nicht weiterhelfen können. Am nächsten Morgen nach 9 Uhr, wegen der Öffnungszeit des Campingplatz Büros zum Geldwechsel, und vor dem dringend erforderlichen Verlassen des campsites um 10 Uhr, gelingt es dann noch eine Ladung Wäsche zu reinigen. Die Zeiten ab wann man einen Platz belegen (ab 14 Uhr) und bis wann man ihn zu räumen (spätestens um 10 Uhr) hat, sind strikt in Stein bzw. Beton gemeißelt. Es kostet doch einige Überredungskraft die Dame im Office von einer eventuellen kurzzeitigen Überschreitung der Abfahrtzeit zu überzeugen. Die Laufzeit einer Waschmaschine ist dann doch ein unabwendbares und von außen nicht beeinflussbares Faktum, was Mann und Frau (auch im Information Office des Campings) hinnehmen muss. Nach dieser uns etwas befremdlichen Erfahrung suchen wir nach einem kleinen und nicht so durchorganisierten Campingplatz für die nächsten Tage.

Kakadus am Campingplatz

Durch die App CamperMate lässt sich mit etwas Suche ein Campingplatz der unseren Vorstellungen entspricht finden. Es ist ein wunderschöner offizieller Stellplatz der Gemeinde mit viel Platz um uns rum und freiem Blick über Felder und Hügel. Sofort fühlen wir uns wie in Südfrankreich. Dieser Platz unter ausladenden Seekiefern ist weitaus angenehmer als die Campingmöglichkeiten in den Caravan Parks, in denen die Stellplätze eng und nahezu immer ausgebucht sind. Die dort angebotenen Möglichkeiten wie Pool etc. sind wegen Überfüllung kaum nutzbar und dadurch fühlt es sich eher wie Urlaub im Stadtbad an. Hier hingegen, in der Nähe des örtlichen Sportplatzes, treffen sich Bewohner beim Ausführen ihrer Hunde, Eltern am Spielplatz und für Camper steht neben den schattigen Plätzen ein Dump Point für black und grey water sowie Toiletten und Frischwasser für 10$ die Nacht z.V. Das ist ein unschlagbares Angebot und die Nähe zur örtlichen Brauerei und verschiedenen Weinkellern werden wir noch schätzen lernen .

Die rosa und weißen Kakadus unterhalten sich lautstark und wecken uns auch früh morgens bereits mit Sonnenaufgang. In der Abenddämmerung kommen täglich zwei Kängurus zum Fressen auf das abgemähte Feld nebenan. Ungestört kann man hier entspannen oder Ausflüge zu den Wine Estates unternehmen, sich in den umliegenden Ortschaften mit frischem Brot und sonstigen Lebensmitteln versorgen sowie abends fliegenlos grillen. Unsere recht netten Camping Nachbarn bevorzugen ein etwas größeres Reisemobil, inkl. einem Pickup (zur Weiterfahrt auf dem Trailer) und ein paar Kajaks 🙂

Greenock

Greenock ist eine kleine gemütliche Ortschaft im Barossatal. Der Ort wurde 1850 gegründet und viele der alten im viktorianischen Stil erbauten Steinhäuser wurden renoviert und sind bewohnt. Es gibt im Ort drei Celar rooms zur Weinverkostung sowie eine Craft Brewery.

Greenock Brewers

Zufällig entdeckten wir beim Spaziergang durch den Ort die Greenock Brewery und lassen uns natürlich sofort ein frisches, gut gekühltes Bier geben. Es wird noch nach deutschem Reinheitsgebot gebraut und überzeugt augenblicklich durch seinen fantastischen Geschmack. Chris, der Braumeister, Barkeeper und Eigentümer lädt uns sofort für die Sylvester Party ein. Gerne nehmen wir das Angebot an und verbringen so, in lustiger Atmosphäre den Jahreswechsel in den Räumen der kleinen Brauerei bzw. seiner noch kleineren aber gemütlichen Bar bei frisch gezapften Bier. Das 150 Jahre alte Gebäude, dem man das Alter nicht ansieht und das nun die Brauerei beherbergt, war früher ein Getreidelager. Die Brauerei hat an Feiertagen und Wochenenden geöffnet und ist praktischerweise nur wenige hundert Meter vom örtlichen Campingplatzes entfernt.

Gibson Estate

Ganz anders wie im Nepenthe Estate läuft es heute im Gibson Estate. Nach den hervorragenden Rezensionen im Netz, gehen wir das Wine tasting gespannt an. Der moderne Verkostungsraum der kleinen Weinkellerei liegt neben einem von deutschen Aussiedlern errichteten alten Haus, ‚The Smithy‘ genannt, aus den 1800er Jahren, was ‚Alte Schmiede‘ bedeutet. Im Tasting room werden wir freundlich von Kerry empfangen, welche mit sachkundiger und nicht aufdringlicher Führung den Anbau sowie die verschiedenen Weine anschaulich erläutert. Besonders die Shiraz-Sorten, The Dirtman und Old Vine, schmecken köstlich. Es sind zwei sehr angenehme, unterhaltsame und lehrreiche Stunden, die wie im Flug vergehen. Das ist wirklich unsere beste Weinprobe und gerne packen wir einen Shiraz Dirtman für den Abend mit ein.

Gibson Wines wurde erst 1996 gegründet verfügt aber über 50 Jahre Weinanbauerfahrung seines Gründers Rob Gibson. Während Rob’s Studienzeit am Roseworthy College und später als Leiter der ersten Weinbauabteilung von Penfolds wurde er aufgrund seiner Leidenschaft für den Weinbau und die Geologie als „The Dirtman” bekannt. Der Spitzname „The Dirtman” blieb Gibson erhalten, wie sein Streben nach maximaler Geschmacksentfaltung. Den Spitznamen gab er auch einem Teil seiner Weine mit. Die Trauben des Dirtman Shiraz stammen aus Weinbergen im Barossa Valley (78 %) und im Eden Valley (22 %).

Die beiden Anbaugebiete unterscheiden sich deutlich in Bezug auf Klima und Boden. Beide liegen zwar nebeneinander, aber auf unterschiedlicher Höhe. Das Eden Valley liegt etwa 230 Meter höher, erhält somit mehr Niederschläge und hat eine gänzlich andere Bodenbeschaffenheit. Interessant für mich ist der Unterschied zwischen reinen Barossa bzw. Eden Valley Weinen die bei gleichem Jahrgang sowie Rebsorte einen deutlichen Unterschied in Struktur und Geschmack aufweisen. Der Wein aus der reinen Barossatraube ist kräftiger und dunkler als die der Eden Valley Trauben. In Kombination ergeben sie das beste Resultat.

Der gekelterter Wein, der die Kraft schwarzer Früchte mit den Einflüssen von gerösteter Eiche, braunen Gewürzen und dunkler Schokolade verbindet, kombiniert mit seinen anhaltenden Tanninen die großzügigen Aromen von reifen Pflaumen und Brombeeren. Dieser Shiraz überzeugte letztendlich noch mehr als die Weine aus den älteren Rebstöcken, welche allesamt hervorragend aber für mich nicht den feinen Geschmack des Dirtman Shiraz erreichten.

Murray Street Estate

Die Rebenfelder sowie die Lager- und Verarbeitungshallen liegen unmittelbar an der Murray Street. In den freundlichen hellen Räumlichkeiten des Tasting Rooms bekommen wir wieder gute Tropfen Shiraz und Cabernet Sauvignon zum verkosten, was wir an unserem vorletzten Tag in Greenock gerne noch wahrnehmen, denn an den Feiertagen war die Weinverkostung geschlossen.

Chateau Tanunda

Château Tanunda ist eine historische Anlage und ein bekanntes Weingut im Barossa Valley, welches wie ein englisches Schloss anmutet. Es gehört der Familie Geber und setzt eine lange Weinbautradition fort, wobei überwiegend Weine wie Shiraz, Cabernet Sauvignon und Chardonnay aus dem Barossa- und dem Eden-Tal produziert werden. Das Eden Valley liegt ca. 200-250 Meter höher als das benachbarte Barossatal und entwickelt durch andere Bodenstrukturen und Mineralien einen völlig unterschiedlichen Shiraz im Vergleich zu den Weinen aus dem tieferliegenden Barossa Valley.

Das Weingut ist für seine historischen alte Rebenweine („Old Vine“) bekannt, die aus Reben mit 50, 100 oder 150 Jahren stammen. Die Weine von den älteren Rebstöcken sind zwar hochgelobt, aber oft sehr stark Tannin lastig. Die Räumlichkeiten sind groß und zahlreiche Fässer zeugen im Verkostungsraum von der großen Lagerkapazität. Der Verkostungsbetrieb professionell gut aber im Gibson Estate war’s eindeutig informativer als auch gemütlicher.

Black Smith Angaston

Die Museumsschmiede in Angaston wurde 1876 gegründet und ist eine der letzten Hauptstraßen-Schmieden Australiens. Freiwillige betreiben den Showroom und geben Besuchern bei Kohlefeuer authentische Einblicke in die Schmiedekunst. Die ausgestellten Werkzeuge, Kutscherreifen sowie landwirtschaftliche Gegenstände aus vergangenen Zeiten zeigen wie wichtig eine örtliche Schmiede in früheren Jahren im Dorf war.  

Wir verlassen das Barossa-Valley

Nach sieben Tagen verlassen wir unseren bislang besten Campsite und die Weinanbaugebiete des Barossa- und Eden Valley obwohl es noch zig Weingüter mit guten Ruf und Celler Doors in denen es Wine Tastings, gibt. Ein Aufbruch um wieder ans Meer und in weitere Nationalparks, für die Australien berühmt ist, zu kommen.

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