
Walfang Museum bei Albany
Da die sonnigen Tage an der Westküste anscheinend erstmal gezählt sind und für den ganzen heutigen Tag Regen angesagt ist, brechen wir die Weiterfahrt in den Süden ans Cape Leeuwin bei Augusta ab und nehmen Kurs in Richtung Osten zur Bremer Bay sowie Esperance welches die schönsten Strände im Süden haben soll.
Nach einigen Schauern erreichen wir das Walfang Museum in der Nähe von Albany und müssen uns, kaum dass wir den Kassenraum und das zur Besichtigung stehenden Walfängerschiff verlassen haben, wegen den extrem heftigen Regengüssen in die nächste Halle retten denn es schüttet wie aus Eimern. Bis die interessante Tour durch alle Räumlichkeiten beendet ist, hat der Spuk mit dem Regen auch wieder ein Ende gefunden.






East Beach
Zwischen Albany und Bremer Bay bietet sich ein freier Überachtungsplatz am East Beach an. Wir haben Glück und ergatterten den letzten freien der insgesamt 8 Stellplätze mit Blick aufs Meer. Wir stehen, nur getrennt von einem Holzbalken, direkt am Meer.







Albany
Die Kleinstadt Albany bietet nicht viel, hat aber neben einer Bäckerei einen Woolworths in dem wir uns ausreichend mit Lebensmittel für die nächsten Tage versorgen können.


Boat Harbor
Noch bevor wir Bremer Bay, unser eigentliches Tagesziel erreichen, biegen zu einem free campsite, dem Boat Harbor Beach ab. Es stellt sich als ein toller Übernachtungsplatz am Meer heraus. Auf sandigen Wegen folgen wir den Anweisungen des dortigen, „selbsternannten“ Rangers, auf eine kleine Anhöhe mit tollem Ausblick und gar nicht so vielen Fliegen.






Auf dem West Coast Highway
Die sogenannten Highways sind eigentlich nur normale zweispurige Bundesstraßen. Häufig sind sie noch mit starken Spurrillen versehen, was vermutlich die schweren Trucks verursachen und das überholen nicht gerade einfach macht. So brettern uns auf dem South Coast Highway, mit seinen nicht sehr breiten Fahrspuren, ständig Road Trains entgegen. Wegen den Luftmassen, die die Lastwagen verdrängen und vor sich herschieben, heißt es das Lenkrad gut festzuhalten wenn man nicht aus der Spur geraten möchte.


Nach einem Tankstopp auf der Fahrt nach Esperance leuchtet plötzlich die Warnlampe für eine Motorstörung auf. Wir lesen den Fehlercode aus und suchen nach der nächstgelegenen Werkstatt. Diese verweist uns jedoch auf die 200 Km entfernte Stadt Esperance, da es dort bessere Möglichkeiten zur Analyse und Beschaffung von Ersatzteilen gibt. Denn laut der Fehlermeldung des Diagnosetools ist der Sensor für die Sauerstoffregelung oder gar die Lamdasonde vor dem Katalysator betroffen. Beides betrifft die Motorsteuerung, was bis zu einem Fahren im Notlaufbetrieb, d.h. bei 5-50 km/h, führen kann.
Die Anfrage bei der örtlichen Nissanwerkstatt in Esperance nach einer Analyse des Fehlers wird nur mit ‚fully booked‘ beantwortet. Auf die Frage nach einem Sensor für unseren Navarra erhielten wir die Antwort, dass es besser sei die 2000 Kilometer nach Adelaide zu fahren, da eine Lieferung drei Wochen dauern würde und sie keine Ersatzteile lagernd haben. Für ausländische Fahrzeuge können sie im Grunde gar nichts machen da unser Fahrzeug angeblich noch nicht auf allen Servern der DOT repliziert ist. Zumindest findet die gar nicht freundliche Angestellte unsere Fahrzeugzulassung nicht. Die Anfrage bei der naheliegenden Toyotawerkstatt endet mit der gleichen Antwort. So ein arrogantes Verhalten gab es in ganz Afrika nicht. Dort wurde überall und auch sofort geholfen.

Esperance
Ein guter Ort um sich mit allem, von dem man meint es fehle einem, sich zu versorgen. Seien es Teile aus dem Baumarkt, hilft Bannings. Geht es um Sandbleche und anderes Campingequipment findet man nahezu an jeder Ecke ein Geschäft das die gesuchte Teile bereit hält.
Die alten Häuser aus der Gründerzeit wurden liebevoll in einem Park mit neuer Funktion zusammengestellt. Hier fand eine alte Schule, die ehemalige Polizeistation, sowie die Apotheke und die Methodisten Kirche ihren neuen Platz. In einem der Häuser ist das Tourist Office untergebracht und zudem gibt es frisches Trinkwasser für Camper aus dem Hahn zu zapfen.





Cape Le Grand NP
Am Cape Le Grand, einem bekannten Nationalpark im Südwesten von Westaustralien liegt ca. 50 Kilometer außerhalb von Esperance. Die Landschaft wechselt von massiven Granitfelsen zu pulverfeinem, ultraweißem Sandstrand. Vorbei an der bekannten und überlaufenen Lucky Bay, deren Campingplatz immer ausgebucht ist, zieht es uns nach Dunn Rocks. Ein gigantisch weißer Sandstrand, bis auf einen Offroader leer, empfängt uns. Wir suchen uns einen Stellplatz nicht zu nahe am Wasser auf festem Sand und staunen nur. Schöne Strände sahen wir schon viele, wie u.a. auf Sardinien oder den Seychellen. Aber dieser hier ist so blendend weiß wie die Strände auf Sansibar. Zwar ohne Palmen dafür auch ohne Masai 😉.

Wir bleiben zwei Übernachtungen obwohl uns am Morgen der ersten Übernachtung, ein junger Ranger darauf aufmerksam macht, dass das Übernachten in dieser Bucht, da sie Nationalpark liegt, verboten ist. Am Vorabend kamen noch mehrere Camper mit Dachzelten, verließen den Strand aber am nächsten Morgen noch vor 10 Uhr (andressiertes Verhalten wie am Campsite). Nur wir und ein Paar aus England blieben am Strand zurück. Nach dem Hinweis des Rangers zogen auch die beiden Engländer ab. Wir hatten noch eine nette Unterhaltung mit dem Ranger, versicherten dass wir all seine Hinweise verstanden haben … und bleiben trotzdem 😊. Am Morgen darauf brechen wir zeitig auf und wollen zunächst in die Lucky Bay. Wegen des bewölkten Wetters verbrachten wir den Tag doch mit notwendigen Einkäufen und am Campingplatz in Esperance.






















Cape Le Grand Beach
Am nächsten Morgen mit frischem Brot im Gepäck ging’s nun in den zahlungspflichtigen National Park. Zunächst an den Cape Le Grand Beach. Kaum dort angekommen begrüßt uns der freundliche Ranger von gestern und wir versicherten ihm wahrheitsgemäß, dass wir die Nacht auf dem Campingplatz verbracht hatten. Er machte mich noch auf die Haisichtungen hier am Strand aufmerksam. Die Videos findet man unter ‚Dave Riggs sharks‘. Dort sind u.a. Aufnahmen *1) von einem weißen Hai vor zwei Wochen hier in der Bucht zu sehen. Nicht gerade sehr einladend um hier am Strand ins Meer zu gehen.


Helfire Bay
Nach einem kurzen und windigen Spaziergang am Cape Le Grand Beach steuern wir die nur wenige Kilometer entfernt liegende Helfire Bay mit ihren zahlreichen Granitfelsen und dem unvergleichbarem turkiesen Wasser an.








Von der Helfire Bay geht es vorbei am Frenchman Peak und im Anschluss daran gibt’s noch einen Abstecher zur Thistle Cove an den Whistling Rock. Die Lucky Bay ist wirklich zauberhaft, aber wie erwartet stark frequentiert. Anstatt der erwarteten Kängerus am Beach, wie es doch jeder Werbeflyer anpreist und verspricht, standen die 4×4 Toyotas im Rudel in Reih und Glied am Strand.














Die Rossita Bay bildet den Abschluss des Tagesausflugs. Nach einem letzten Blick auf die Lucky Bay bei Cookies und frischem Espresso brechen wir zum Membinbup Beach auf.






Membinbup Beach
Um den Abend und die folgenden Tage in Ruhe genießen zu können fahren wir an den nahegelegenen Membinbup Beach, d.h. ca. 70 Kilometer weiter. Hier können wir ungestört mit ein paar anderen Campern in mitten von weißem Sand stehen, da dieser Strand nicht mehr zum Bereich des Nationalparks gehört. Den ersten Advent haben wir noch nie an einem Strand verbracht, das wurde echt mal Zeit. Der Sand ist so weiß wie Schnee zu Hause und hier ist es, durch den Wind, gefühlt – genauso kalt. Die Morgentemperatur beträgt gerade mal 15° wobei es in der Sonne deutlich wärmer ist. Um den Wind sind wir mehr als froh, denn ohne plagen uns die lästigen Fliegen die einen pausenlos umschwirren. Baden kann man mit der immer gebotenen Umsicht schon. Das Wasser ist angenehm erfrischend aber halt nicht so entspannt wie im Mittelmeer. Die Haie halten sich laut der Aussage vom Ranger meist bei den vorgelagerten Inseln auf, da dort die Robbenbabies zur Welt kommen und leichte Beute sind.

Die Büsche und Bäume unmittelbar nach dem Strand sind vom Wind und Wetter skurril geformt und bieten den dort stehenden Campern guten Schutz vor dem kalten Wind. Ich möchte nicht wissen mit wieviel Fliegen man in dieser windgeschützten Zone zu kämpfen hat.






Eine Woche verbrachten wir an diesen wunderbar weißen Stränden des Cape Le Grand, die unser richtiges Highlight der ersten vier Wochen in Australien waren. Es war doch ein etwas holpriger Start den wir da hingelegt hatten und um so mehr taten die erholsamen Tage am Strand gut. Mit unseren spanischen Campingnachbarn, Marta und ihrem Lebensgefährte Maria (ein katalanischer Männername mit Betonung auf dem ‚a‘ am Ende) am Membinbup Beach freundeten wir uns rasch an und hatten noch recht angenehmen Gespräche. Beide sind Influencer sowie engagierte Musiker. Sie versorgen uns mit ihren aktuellen Musik-Uploads auf Spotify und so kehrt ganz unerwartet fröhliche, spanische Musik in unser Auto ein.
Good Bye West Australia
West Australien ist der größte Bundesstaat und hat offensichtlich wenig Kontakt mit dem restlichen Australien. Die Wolkenkratzer in Perth täuschen einen modernen Staat vor, in Wirklichkeit ist es wohl doch eher ein groß und durch Bodenschätze reich gewordenes Dorf, abgeschieden am Rand einer noch viel größeren Insel. Die ewig dauernde Versorgung mit Ersatzteilen „unter drei Wochen bekommt man gar nichts“, falls man den Aussagen glauben darf, ist ja haarsträubend. Wurde aber von Mick aus Queensland (der eigentlich aus Venedig stammt) bestätigt, denn er musste tatsächlich drei Wochen auf ein Ersatzteil warten. IT ist als Begriff zwar bekannt aber noch nicht bis in jede Landesecke umgesetzt, denn unsere aufwendig erstandene Fahrzeugregistrierung der DOT Behörde war in der Nissan Werkstatt von Esperance nicht auffindbar. Ohne diesen Registrierungsnachweis lassen sich angeblich nie und nimmer Ersatzteile bestellen. Da kommt mir Deutschland gar nicht mehr so rückständig und schon fast wieder ein wenig moderner vor. Mal sehen was in den anderen Bundesstaaten so läuft.
*1)















