Bruny Island besteht eigentlich aus zwei Inseln, der North und der South Bruny, die durch eine schmale Landzunge „The Neck“ verbunden sind. Von einem durch alle Medien bekannten Lookout hat man einen guten Blick auf beide Inseln.

Ankunft auf Bruny Island
Zwanzig Minuten dauert die kurze Überfahrt von Kettering nach Bruny Island mit der Sealink-Autofähre. Mit Sealink setzten wir bereits im Dezember nach Kangaroo Island über.
Frühstück in der Great Bay
Hier angekommen, schmunzeln wir zunächst über die nette Ansammlung von Briefkästen entlang der Straße, bevor eine geeignete Bucht als Frühstückplatz mit Aussicht gefunden ist. Auf der Insel fühlen wir uns sofort wohl.
Truganini Lookout
Für den nächsten Morgen stellen wir uns extra einen Wecker um die angesagten Sonnenstunden von 7 bis 9 Uhr zu erwischen, bevor Wolken den blauen Himmel verdecken. Der Plan geht auch fast auf, bis auf den uncharmanten kleinen Mangel, dass sich genau vor der Sonne eine Wolke breit macht. Das Dumme daran ist, je länger es dauert, desto größer wird der Wolkenberg um die Sonne. Auf dem lookout suchen wir hinter einem Busch etwas Schutz vor dem kalten Wind und warten auf Licht. Von der Aussichtsplattform hat man freien Blick zur Linken auf die langgezogene Adventure Bay, den D’Entrecasteaux-Kanal zur Rechten sowie auf die tasmanischen ‚Berge‘ in der Mitte. Auch der Küstenabschnitt, an dem der etwas unbekannte Queen Elizabeth Arch liegt, ist vom lookout zu sehen. Der gleichnamige Trail führt zwar in die Nähe des Felsbogens, aber um diesen zu erreichen ist etwas klettern erforderlich, was mit meinem ramponierten Zeh noch nicht möglich ist. So lassen wir den Plan zum Arch zu wandern, schweren Herzens fallen. Nach mehr als einer Stunde Wartezeit meldet sich der erste Hunger und es lockt die Aussicht auf ein leckeres Frühstück. Der Platz, der vor ein zwei Tagen nach der Ankunft so schön war, liegt ganz in der Nähe. Nach dem Ende des ausgiebigen Frühstücks bessert sich auch das Sonne- / Wolkengemenge und wir kehren nochmals die wenigen Kilometer zum lookout für ein paar sonnige Fotos zurück.
Der Truganini Lookout ist nach der Tochter des Häuptlings des Bruny Island-Volkes benannt, denn sie setzte sich unermüdlich für die Einigung der indigenen Gemeinschaften und das friedliche Zusammenleben von Weißen und Ureinwohnern ein.

Der lange Sandstreifen, The Neck genannt, ist ein wichtiger Brutplatz für Kurzschwanz-Sturmtaucher und Zwergpinguine. In den Sanddünen sind zwar die Eingänge zu den zahlreichen Bruthöhlen zu sehen, aber nur nachts kommen die Tiere an den Strand. Von abend- oder nächtlichen Wanderungen am Strand wird gebeten abzusehen, denn die Tiere fühlen sich dadurch in Gefahr und kehren oftmals nicht mehr zum Gelege zurück. Nur von beplankten Wegen ist die Suche nach den scheuen Pinguinen mit Rotlichtlampen erlaubt.





Bruny Island Neck
Am Neck Reserve Beach findet sich ein Waldcampingplatz mit zahlreichen freien Stellmöglichkeiten für die üblichen 10 AUD pro Nacht. In den Abendstunden ist auf den Straßen immer Vorsicht geboten, denn nun sind die gar nicht so wilden Wildtiere unterwegs und missachten, meist zu ihrem Schaden, den Autoverkehr. So treffen wir ein Albino Wallaby auf als auch einen Echidna neben der Straße an. Das Wallaby hüpft von der Fahrbahn und verdrückt sich, nach erfolgloser Futtersuche am Straßenrand, ins Gebüsch. Der Ameisenigel versteckt sich rasch hinter einem Baumstamm, hat aber nur wenig Geduld und guckt sich nach kurzer Zeit vorsichtig um, ob denn die Luft rein ist. Ich habe mich derweilen still in Position gebracht um ihn nicht zu erschrecken.
Das Cape Bruny Lighthouse an der Südspitze der Insel erbauten Sträflinge. Es wurde von 1838 bis 1996 betrieben und war damit der am längsten betriebene Leuchtturm Australiens. Das Lighthouse bot den Schiffen über 150 Jahre Sicherheit bei der Umfahrung der Insel und heute noch einen grandiosen Blick auf die unterhalb liegende Sandbucht. Auf einer kurvenreiche Schotterstraße ist der Leuchtturm gut erreichbar. Einige der Buchten die wir umfahren sind heute wegen Ebbe trocken, bieten aber trotzdem nette grafische Fotomotive. Wie überall auf Tasmanien muss man beim überqueren von Grünflächen auf die Hinterlassenschaften der Wallabys achten.
Ausflug mit Bruny Adventures
Um 11 Uhr beginnt das 3-stündiges Bootsabenteuer entlang der zerklüfteten tasmanischen Küste. Die wendigen Schiffe von Pennicott mit einer Länge von 12,5-Meter, wurden speziell für die Küste von Bruny gebaut und verfügen über drei 4,2 Ltr. Yamaha Außenbordmotoren mit insgesamt 750 PS. Diese Power wird bei unruhiger See auch benötigt, was bei unserem Ausflug zum Glück nicht notwendig war. Laut Aussage des Bootsführers, haben sie nur ca. 30 Tage im Jahr in denen es so ruhig wie in heute ist.
Erstaunlicherweise erhalten wir zwar Regencapes aber keine Schwimmwesten, die über unseren Köpfen verstaut sind. Etwas was mich sehr freut, denn die klobigen Schwimmwesten sind doch etwas hinderlich beim fotografieren und in den 25 Jahren seitdem die Firma diese Touren anbietet, gab es zum Glück noch nie einen Rettungsfall.
Die Route der Bootstour beginnt am südlichen Ende der Adventure Bay und führt entlang der gestrichelt und gelb markierten Line wie es auf der Karte nebenan zu sehen ist.

Nach einem kurzen Briefing und einer sanften Ausfahrt aus dem Hafenbereich geht es dann deutlich rasanter zur zerklüfteter Küste. Steil aufragende Klippen aus Doleritgestein, wie sie auch am Cape Raoul zu sehen sind, bestimmen das Küstenbild.




Bis wir uns umschauen und uns an die Geschwindigkeit der Speedboote gewöhnt haben, dreht der Kapitän plötzlich die Motoren voll auf, legt das Boot in eine elegante Linkskurve um zwischen der hohen Felswand zur Rechten und dem Solitär ‚The Monument‘ hindurch zu brausen. Völlig überrascht, halte ich mich und meine Fotoausrüstung fest, denn ich wollte gerade das Objektiv an der Kamera wechseln. Bei dieser Kurverlage wäre das zu diesem Zeitpunkt keine gute Idee gewesen. Nicht ohne Grund sind alle Passagiere angehalten den Beckengurt zu nutzen. Rasch versuche ich mit dem Handy noch zu filmen, bis der wilde Ritt beendet ist und das Boot nach der Durchfahrt zum halten kommt.

Die Fahrt geht entlang eines Felsdurchbruchs und den wirklich spektakulären Blowholes, die alle halbe Minute eine hohe Fontäne an der Felswand erzeugen. Den Zwergpinguinen ähnlich sehend bevölkern Schwarzgesichtscharben, d.h. schwarz-weiße Kormorane mit dunklem Gesicht und weißen Flanken sowie schwarze Kormorane die wenigen Felsen die aus dem Meer ragen und färben diese mit ihren weißen Hinterlassenschaften.
Als die Klippen von „The Friars“ nach einer längeren Anfahrt erreicht werden, sind zahlreiche Pelzrobben auf den Felsen zu beobachten. Sie ruhen entweder auf den vom Meer glattgeschliffenen Felsen oder tummeln sich im Wasser.
Trotz intensiver Suche nach Delphinen bleibt der Erfolg leider aus und die beiden Schnellboote kehren nach knapp drei Stunden zurück an den Anlegesteg der Bruni Island Tours zurück. „That’s nature“ war der Kommentar der Bootsleute, was vollkommen in Ordnung ist. Wer Garantie bei Tiersichtungen will, muss halt in den Zoo und nicht in die Natur gehen.
Adventure Bay
Adventure Bay, benannt nach Captain Cooks Schiff Adventure, ist ein historischer Ort, der im südlichen Teil der Insel liegt.
In dieser ruhigen Bucht ankerten neben James Cook, der im Jahr 1777 die Insel ansteuerte, auch andere britische Entdecker wie Tobias Furneaux um ihre Schiffe vor Stürmen in Sicherheit zu bringen.
Auch William Bligh ankerte hier vier Mal, unter anderem auch Ende August 1788 mit der Bounty, unmittelbar vor der berühmten Meuterei.

Entlang der Adventure Bay gibt es immer einen Grund anzuhalten. Mal ist es das türkisfarbene klare Wasser und die hellen Sandstrände mit bunten Blumen entlang der Wege die zum Strand führen, später ist es das Nachmittagslicht welches wunderschöne Spiegelungen auf das taningefärbte Wasser der Creeks zaubert.









Two Tree Point
Die beiden Eukalyptusbäume, bekannt als „Two Tree“ sind vermutlich 250 Jahre alt, denn bei einem der Besuche von Captain Bligh fertigte sein mitreisender Leutnant Tobin, seines Zeichens Hauptkünstler der Expedition, ein Gemälde an auf dem die beiden Bäume abgebildet sind.

In der heutigen Zeit legen keine Segelboote die einen ruhigen Hafen suchen an, denn inzwischen locken die weißsandige Strände und kristallklares Wasser Badegäste und Strandbesucher an. Diese flanieren oder fotografieren sich gegenseitig in vielfältigen Posen am Strand, im Wasser oder auf Felsen. Häufig setzen sich, wie an allen schönen Stränden und bekannten Sehenswürdigkeiten, amerikanische, europäische und asiatische Insta Girls in schicker Kleidung in Pose.
Nur mit Geduld ist es möglich für ein paar Sekunden einen publikumsfreien Strand oder gar ein Meeresfoto ohne Statisten zu bekommen.

Cloudy Bay
Der malerische Strand der Cloudy Bay im Süden der Insel ist für seine raue Schönheit und starke Brandung bekannt. Aufgrund der starken Strömungen ist die Bucht weniger zum Schwimmen eignet. Auf dem drei Kilometer langen Strand lässt es sich bei Ebbe mit dem Auto bis ans Ende der Bucht fahren. Dort liegt ein Campingplatz von dem aus Wanderwege ans Kap führen. Wir ziehen einen Grillabend im restlichen Sonnenlicht vor, bevor es zurück zum Neck Reserve Campsite geht, denn der nur 500 Meter entfernte Campingplatz mitten im Wald ist nicht einladend.


Welch wunderschöne und abwechslungsreiche Insel, hier südlich von Tasmanien. Dahinter kommt nichts mehr, denn wie der Kapitän auf der Speedtour mit Blick durch eine Felsenge aufs Meer schon fragte: Was sehen Sie zwischen den beiden Felsen dort – richtig: NICHTS und das 2500 Kilometer bis zur Antarktis 😉😉






























































