
Abschied vom Membinup Beach
Schweren Herzens brechen wir von der schneeweißen Traumbucht des Membinup Beach am Morgen des 2. Dezembers auf, um in Esperance Frühstück und die Vorräte der nächsten Tage einzukaufen. Von unseren Nachbarn verabschieden wir uns erst als klar ist, dass das gestrige Problem mit den 4×4 Untersetzung an ihrem Toyota Landcruiser kein genereller technischer Defekt ist. Vermutlich war die unvollständige Synchronisation bei der Umschaltung der Untersetzung von High auf Low für das laute metallene Geräusch beim Fahren im Sand die Ursache. Nachdem an dem Fahrzeug wohl alles in Ordnung ist, heißt es von Marta und ihrem Freund Maria Abschied zu nehmen. Es waren schöne Tage mit den beiden Langzeit-Reisenden die nun seit 12 Jahren unterwegs sind und als Influencer und Musiker arbeiten.

Norseman
Norseman ist ein kleiner unscheinbarer Ort, der seine Bekanntheit auf den Anfangs- bzw. Endpunkt der langen Verbindungsstraße zwischen West- und Südaustralien zurückführen kann.
Nach der Versorgung mit Lebensmitteln sowie Frischwasser und dem Upload der aktuellen Fotos, führt die Strecke von Esperance zunächst 200 Kilometer schnurgerade nördlich nach Norseman. Dort wird, inkl. des 20 Ltr. großen Ersatzkanister, vollgetankt bevor es auf den 1800 Kilometer langen Highway No. 1 in Richtung Adelaide geht. Völlig überrascht bin ich von den 43° Außentemperatur als ich zum Tanken das Fahrzeug verlasse. Als wir ins Esperance losfuhren war es etwas bedenkt und so um die 20° warm. Im Auto läuft die Klimaanlage, so dass mich der heiße Wind, der mir an der Zapfsäule entgegenschlägt, absolut unerwartet trifft.

Roadhouse am Highway No. 1
Unterwegs gibt es zwar ca. alle 300-400 Kilometer von einander entfernte Roadhouses mit Tankstellen und geringen Versorgungsmöglichkeiten. Aber man weiß ja nicht ob nicht doch mal eine der Tankstellen, aus welchen Gründen auch immer, ausfällt. Tatsächlich gibt es an einer der Tankstellen ein Problem denn eine der beiden Tanksäulenreihen fällt wegen laufender Reperaturarbeiten aus. Wir können zum Glück an einer der anderen Zapfsäulen tanken, aber genau für so einen Fall wollten wir zumindest eine gewisse Reserve an Diesel mit uns führen. Bei Shell Tankstellen, gibt es separat für Diesel öfters nur eine Tankmöglichkeit für PKW und LKW von den Benzinzapfsäulen. Wenn nun genau diese Treibstoffpumpe ausfällt, hat man ein Problem. Haben ist besser als brauchen 😉.
Nullarbor
Nullarbor leitet sich aus dem lateinischen „nullus abor“, was so viel bedeutet wie „kein Baum“ ab. Die Strecke auf dem einspurigen Highway gestaltet sich erwartungsgemäß als eintönig, aber gar nicht so bar jeglicher Vegetation wie immer zu lesen ist. Da kennen wir in Marokko ganz andere Strecken, an den denen wirklich kein Gras, Strauch oder gar Baum zu sehen ist. Im Gegenteil, denn große Teile der Strecke sind von brokolieartigen Bäumen mit dünnem Stamm gesäumt.
Der, im Vergleich der Straße von Esperance nach Norseman, an sich gut ausgebaute Eyre Highway, weist leider eine äußerst grobe Teerdecke auf. Das macht sich in sehr lauten Rollgeräuschen und im Widerhall dieser in der Campingkabine bemerkbar.
Zum Glück baute ich vor der Abreise noch einen Rollo zwischen Fahrerhaus und Wohnkabine ein. Welch ein wohltuender Unterschied dieser Stoffrolladen doch ausmacht, bei der doch langen Fahrt. Erst auf der südaustralischen Seite des Highways wird es wieder leiser, da dieser Bundesstaat ‚normal glatten‘ Asphalt, d.h. mit geschlossener Teeroberfläche, verwendet.
Angeblich sind auf dieser leeren Fläche zwischen Norseman im Westen und Ceduna im Südosten viele Wildtiere unterwegs, die auch völlig unbekümmert die Fahrbahn der einzigen Verbindungsstraße kreuzen. Doch leider sahen wir Känguru, Dromedar und Wombat nur auf den gelben Hinweistafeln.

Oversized Road Trains
An die Geschwindigkeitsbeschränkung von 110 Km/h halten sich alle PKWs und SUVs, einschließlich der Trucks sowie Road Trains, ziemlich genau. Das macht den zwar wenigen aber doch vorhandenen Verkehrsfluss ziemlich entspannt. Die gleiche Strecke auf Deutschlands Autobahnen zu fahren wäre definitiv anstrengender. Alles fließt einfach gleichmäßig dahin und dadurch ist es kaum notwendig zu schalten, außer zum Tanken alle 300-400 Kilomater bzw. zum Halt für die Übernachtung. Selbst das Überholen geht in „slow motion“ von statten, denn man sieht ja auf weite Entfernung schon ob sich Gegenverkehr nähert. Wenn dieser jedoch droht, ist allerdings Vorsicht geboten, denn häufig sind Transporter mit oversized Ladung unterwegs, d.h. rasch runter vom Gas und aufs Bankett ausweichen, denn diese Spezialtransporte, denen immer ein ankündigendes Fahrzeug vorausfährt, benötigen mindestens eineinhalb Fahrspuren!
Egal ob Weizenlastwagen auf dem Acker, Spezialtransporte auf den Highways, die vielen Road Trains oder nicht mehr enden wollende Güterzüge – vieles in Australien ist extra large, oversized aber in jedem Fall „Heavy Duty“ (wie unsere Blattfedern😊).
Wir suchen uns an bei beiden Übernachtungen aus der Camper Mate App einen kostenlosen Stellplatz der etwas abseits des Highways liegt, um dem Verkehrslärm etwas zu entgehen. Mit etwas Ausdauer bei der Suche findet man auch so den einen oder anderen netten Übernachtungsplatz, manches mal auch mit herrlichem Ausblick auf den Sonnenuntergang.
Steile Abbruchkante in South Australia
Mit überschreiten der Staatsgrenze zwischen West- und Südaustralien beginnt nahezu unbemerkt Teil 2 der Reise, denn wir sind im Bundesstaat South Australia angekommen. Westaustralien haben wir gestern Nachmittag bei Eucla am Border Village verlassen und hoffen, dass wir damit auch die allgegenwärtigen Fliegen loshaben. Diese Plage soll es angeblich nur in WA geben. Leider ist dem doch nicht so, zumindest bei den kurzen Fotostopps an der steilen Abbruchküste, treten diese lästigen Tiere in Kompaniestärke auf. Sobald eine Türe geöffnet wird, ist man als Opfer identifiziert und wird gnadenlos drangsaliert. Wenn man einsteigt, wollen natürlich auch noch alle mitfahren. Es ist einfach zum Mäuse melken, da ich natürlich nach wenigen Kilometern am nächsten Viewpoint anhalte und aussteige, der ganze Prozess wieder von vorne beginnt ☹.
Nach anderthalb Tagen sind wir abends nur noch 140 Km von Ceduna, der ersten Ansiedlung mit kleinstädtischem Charakter, entfernt. Hier wollen wir übernachten, da der Platz ca. 200m vom Highway entfernt ist und somit etwas Lärmschutz durch seine Bäume als auch wieder einen genialen Sonnenuntergang bietet.

Ceduna
Kurz vor der Ortseinfahrt von Ceduna befindet sich ein Kontrollposten der Gesundheitsbehörde. Da die Einfuhr von frischem Gemüse oder Obst strikt untersagt ist und auch mit Strafen geahndet wird, werden die Fahrzeuge stichprobenartig untersucht. Ein Kontrolleur steigt ins Wohnmobil und versichert sich, ob wir in beiden Kühlschränken auch nichts Verbotenes mit uns führen. Selbst die Einfuhr von Honig ist untersagt. Als die Kontrolle erfolgreich überstanden ist, rollen wir in die erste Tankstelle am Ort.
Cape Bauer an der Streaky Bay
Etwa 130 Kilomater südlich von Ceduna, vorbei an mehreren Caravan Parks die einen recht überfüllten Eindruck im Vorbeifahren hinterlassen, zieht es uns ans Cape Bauer. Hier genießen wir Ruhe und Abgeschiedenheit in Verbindung mit einer wirklich staunenswerten Umgebung. Der freie Blick auf die Brandung und die auch hier steilen Klippen, ist einfach phantastisch. Die eigentlich vorgesehene Übernachtungsstelle ist an der Zufahrt mit einem Felsen verblockt, so dass wir zwar etwa 50 Meter vor der Abbruchkante, aber immer mit Blick aufs Meer frei stehen. Hier grillen und nächtigen wir ungestört. Mit den Stühlen sitzen wir nahe an der Felskante, müssen bei dem starken Wind der uns um die Ohren pfeift achtgeben, dass es die leichten Campingstühle nicht über die Kante weht.

Blow Holes und eine weitere Bucht
Von unserem Standort können wir zwei große Buchten in Augenschein nehmen. Zu einer weiteren führt ein stabil gebauter Holzsteg. Aus den dortigen Blow Holes schießen bei stärkerem Wellengang die Wasserfontänen.
Weil es einfach so eine gemütliche, ungestörte Ecke mit guter Aussicht ist, bleiben wir einen weiteren Tag und kommen abends in den Genuss eines vollständigen Regenbogens. Die untergehende Sonne zieht nochmals alle Register nach dem etwas trüben aber trotzdem sehr schönen Tag am Kap.
































