
Auf dem Weg in den Mungo NP
Der Mungo Nationalpark mit seinen auffallenden Erosionsgesteinen ist der Grund, warum wir so weit ins Landesinnere fahren. Von diesen exotischen Fotos der Wall of Chinese magisch angezogen, verlassen wir an einem grauen Tag das windumtoste Kap Bauer, füllen noch die Biervorräte auf und legen über 600 Kilometer gen Osten zum National Park zurück, denn dieser ist sowohl von Melbourne als auch Sydney gleich bzw. noch weiter entfernt als von Adelaide welches das naheliegende Ziel auf unserer aktuellen Route ist.
Auf einem ausgewiesenen, freien Campsite, einem Bowling Club zugehörig, übernachten wir. Am nächsten Morgen haben wir diesen magischen Ausblick vor uns. Das macht so manchen endlosen Kilometer auf den langweiligen Highways vergessen.

Der Murray River ist neben dem Darling River der größte Fluss Australiens. So trifft man auch allenthalben auf nette Ortschaften die am Fluss liegen. Das Paddle Steamer Boat, welches hier in Morgan für eine Flussfahrt am Kai liegen sollte, ist leider bis Februar nächsten Jahres in Wartung. So dass wir unverrichteter Dinge weiterfahren. Beim Verlassen von South Australia wird auf die Fruchtfliegengefahr und das Verbot der Einfuhr von Obst und Gemüse in das South Australia Riverland hingewiesen. Beim Frühstück essen wir noch alle Früchte restlos auf und hinterlassen die Schalen am signalgelben Mülleimer. Wegen des heftigen Gegenwindes sind wir gefühlt ständig am tanken und bevor es über Staubpisten in den Nationalpark geht, in dem es weder Treibstoff noch Trinkwasser etc. gibt, ist es besser nochmals Diesel nachzufüllen.
Mungo Nationalpark
Am ehemaligen und inzwischen seit ca. 23000 Jahren ausgetrockneten Lake Mungo hat sich an den Abbruchkanten des Sees ein bizarr geformter Dünenhalbkreis gebildet, der Walls of China genannt wird. Die Vegetation des Mungo-Nationalparks besteht aus Salzbüschen auf dem leicht salzigen Boden des Lake Mungo. Aufgeschüttete Wege führen durch den trockengefallenen See mit seinen für New South Wales typischen Pflanzen. Der Nationalpark ist von archäologischem Interesse, da mehrere außergewöhnliche Funde in diesem Gebiet geborgen wurden. Entdeckt wurde zunächst das Skelett der Mungo Lady und später das Skelett des Mungo Man. Nach dem Fund des männlichen Skelettes wurde es wissenschaftlich untersucht und auf ein Alter von etwa 40.000 datiert. Beide Skelette wurden den Ureinwohnern übergeben. Zur Zeit des Mungo Man war der Lake Mungo mit Wasser gefüllt, allerdings befand sich Australien klimatisch in einer Übergangsphase denn es kam es zu zahlreichen Sandstürmen aus dem Westen und der See trocknete aus.
Als wir nur weinige Kilometer in die Schotterstraße des Nationalparks einbiegen, sehen wir das erste Känguru aus der Nähe. Scheu beobachtet es uns eine ganze Weile ohne sich zu rühren, um dann urplötzlich davon zu hüpfen.
Ein Navigationsfehler führt zunächst zum falschen Teil des Parks, denn wir gaben bei Abfahrt nur ‚Mungo NP‘ ins Navi ein. Es sollte sich jedoch herausstellen, dass der Zugang des Nationalparks sowie die Chinese Wall rund 50 Kilometer weiter südlich liegen. So sind wir nun 30 Kilometer staubige gravel road völlig umsonst gefahren, die wir erst wieder zurück fahren müssen. Inzwischen ist es auch zu spät um den Park bzw. den camp ground noch heute zu erreichen. Wir übernachten wo es uns am besten gefällt und erledigen die richtige Strecke in den Park morgen. In Mungo Visitor Center am nächsten Tag angekommen müssen wir, obwohl eine ausgesprochen hilfsbereite Rangerin im Park Office für die ankommenden Besucher da ist, den Campingplatz online buchen. Als alles gebucht und der Parkeintritt für zwei Tage entrichtet ist, warten wir zunächst die Mittagshitze ab und brechen erst gegen nachmittags drei Uhr ganz gespannt zur ca. 60 Kilometer langen Umrundung der Chinese Wall auf.
Wall of China

Als wir beim ersten Haltepunkt der Self Drive Tour, dem Mungo Lunette, ankommen stellt sich heraus, dass die Dünen den Walls of China gar nicht wirklich hoch sind. Zudem darf man das Gelände nur auf Holzstegen die zu einer kleinen Plattform führen, betreten. Treppen die auf die versteinerte Landschaft vor uns führen, wurden versperrt und mit Verbotstafeln versehen. Auch beim zweiten Halt am Red Top lookout, sind es Holzstege die an den Rand der bizarren Gesteinsformen heranführen. Als wir zur Weiterfahrt aufbrechen, um zum nächsten in der Karte des Nationalparks verzeichneten Aussichtspunkt, die Vigars Well picnic area zu gelangen, müssen wir feststellen, dass die weiterführende Piste mit Eisentoren und einer schweren Kette versperrt ist. Völlig fassungslos stehen wir davor, denn wir haben gerade mal ein Viertel des Rundweges gefahren und nun sollen wir umdrehen und das war alles. Wir versuchen es von anderen Ende der self drive route, scheitern aber auch hier nach wenigen Kilometern an einem verschlossenen Gatter. Auf meine Anfrage bei der Parkbewertung hin, erhalte ich die Antwort dass die Sperrung auf der Website unter ‚local alerts‘ hingewiesen wird. Das stellt sich als korrekt heraus, hilft aber auch nicht weiter. Es ist kein Grund oder gar die Dauer der Sperrung angegeben. Das hätte man uns auch bei der Ankunft mitteilen können, denn für diese ein Besichtigungsstunde an den beiden Stellen die man nur besuchen kann, hätten wir uns die lange Anfahrt als auch den campsite sparen können. Wir lassen uns trotz alledem nicht davon abhalten bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen wieder zum Red Top lookout zu fahren. Der weitere Besuch sollte sich sich in jedem Fall lohnen, denn das Morgenlicht ist weitaus ansprechender als das Licht gestern Nachmittag. Da wir am Vortag mit der vollständigen Umrundung planten, wollten wir nicht zu spät losfahren um auch ggf. noch eine zweite Runde zur schönsten Location bei Abendlicht drehen zu können. Es kam halt mal wieder anders als wir dachten.

Kängerus zu Besuch
Zurück im Mungo Main Camp und gerade mit dem Zubereiten des Abendessens beschäftigt, besuchen uns doch glatt zwei Kängurus auf der Suche nach Futter. Sie sehen sich immer wieder scheu um sobald die ein Geräusch hören, lassen sich ansonsten nicht weiter von uns stören. Am nächsten Morgen, sind die beiden wieder da und grasen völlig friedlich ganz nahe des Wohnmobils.
Verwirrende Zeitzonen
Mit jedem Wechsel von einem Bundesstaat in den nächsten ist auch eine Zeitverschiebung mit einhergehend. Zwischen West- und South-Australia beträgt die Zeitverschiebung 2,5 Stunden. Zu Victoria bzw. New South Wales sind es nochmals 30 Minuten. Warum man diese 30 Minuten Zeitversatz nicht auch für Südaustralien nutzen konnten, muss man nicht verstehen. Wir sind es ja von unseren Reisen gewohnt die Uhr umzustellen, aber alle paar hundert Kilometer und auf dem Rückweg das Gleiche wieder, ist einfach lästig. Zudem auch die Kameras sowie die Drohne per Hand umzustellen sind.
Am Murray River in Merbein
Merbein liegt rund 200 Kilometer entfernt vom Mungo Park und ist eine Stadt in der ländlichen Region Mildura im australischen Bundesstaat Victoria. Mildura erweist sich als eine erstaunlich nette Ortschaft, in der wir entsorgen, Wasser und Lebensmittel füllen können. Im Bunings, dem australischen Bauhaus, lassen sich noch die nötigen Teile für kleinere Wartungsarbeiten besorgen. Jetzt ist die Außendusche wieder nutzbar und mit einem Verlängerungsschlauch lässt sich nun auch die ausfahrbare Stufe zur Wohnkabine von Schlammrückständen mühelos befreien.
Rothbury Paddle Steamer
Eine zweistündige Fahrt auf dem Rothbury Paddle Steamer, einem 144 Jahre alten Schaufelradampfer, auf dem Murray River steht für heute an. Die Flusstour führt zunächst zu einer Schleuse die den Höhenunterschied der nahen Flusssperre ausgleicht. Im Anschluss gleiten wir gemütlich, von den Erläuterungen des Kapitäns unterhalten, dahin.
Paddle Steamer Fahrt auf dem Murray River







Red Cliffs
Red Cliffs ist eine Stadt in Victoria, die nach den roten Klippen des Murray River Ufers benannt ist. Der nette Ort lebt, wie die gesamte Gegend hier um den Murray River vom Anbau von Trauben und Zitrusfrüchten. Von alten Dingen, insbesondere von alten Autos trennt man sich hier im Land ungern. Im Gegenteil, denn es gibt ständig Aushänge Plakate, die gezielt nach Oldtimern anfragen. Oldtimer stehen manches Mal im Vorgarten oder etwa alte Gerätschaften aus der Landwirtschaft sind nebeneinander entlang der Straße aufgereiht. Wie auch immer – die Red Cliffs waren es wert sie näher anzusehen.



An den Pink Lakes
Auf dem Weg zu den Pink Lakes fallen uns bereits unterwegs vereinzelte ausgetrocknete Salztümpel auf. Im Vergleich zu den ausgeschilderten Pink Lakes sind es jedoch nur kleine Tümpel. Die Pink Lakes sind da schon etwas größer und je näher man an den Uferrand kommt, wird es nass und weich unter den Schuhen. Spuren von Kängurus am Strand finden wir ebenfalls. Deren Sprungweite habe ich mit meiner Schrittweite verglichen. Da kann ich aber nicht mithalten, denn ca. 1.50 Meter beträgt der Schritt des Hopplers.

Trotz der überaus lästigen Fliegen, packe ich die Drohne aus, denn erst mit der Aufnahme aus Luft kommt die pinke Färbung so richtig zur Geltung. Den restlichen Nachmittag verbringen wir bei 30° lieber im Wohnmobil als draußen, da die vielen Fliegen wieder einmal unerträglich sind. Das Fliegennetz mir über den Kopf zu stülpen lehne ich bislang noch immer ab.

Das salzige Untergrundwasser floss im Winter in die Seen und trocknete im Sommer aus. In den heißesten Monaten zwischen November und April wurde die frische Salzkruste abgetragen. Nahezu 500 Tonnen konnten pro Tag geerntet werden.
Seit 1920 wurde hier an den Pink Lakes Salz abgebaut und unter Einsatz von Kamelgespannen zur nächsten Eisenbahnlinie transportiert. Salz war nicht nur zur Konservierung sondern auch bei der Herstellung von Pestiziden und Fungiziden sowie bei der Kunststoffproduktion erforderlich. In der Weltwirtschaftskrise kamen zahlreiche Wanderarbeiter, sogar zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Erst 1935 ersetzten Lastkraftwagen die Kamele. Zudem wurden Salzbrecher und Föderbänder zum Verladen der Salzsäcke installiert. Späten kamen Traktoren mit Gummirädern und speziell entwickelte Salzerntemaschinen hinzu. Erst 1979 wurden die Arbeiten am den Pink Lakes eingestellt und die nicht mehr benötigten Maschinen blieben zurück.





















































