Wir freuen uns sehr auf die wohl berühmteste Straße Australiens, die Great Ocean Road welche entlang des Oceans sowie durch den Great Otway Nationalpark führt. Der direkt am Meer liegende Nationalpark ist für seine vielen Wasserfälle und Baumfarne bekannt und ein beliebtes Urlaubsziel der Australier.

Great Ocean Road
Die Great Ocean Road ist 243 km lang und wurde von australischen Heimkehrern aus dem Ersten Weltkrieg erbaut. Es gibt spektakuläre Ausblicke auf zerklüftete Klippen und von tosenden Wellen erodierte Felsnadeln. Die Great Ocean Road beginnt in Allensford und führt, von Westen kommend, entlang des Ozeans vorbei an Apollo Bay und Lorne bis nach Torquay. Wir haben das große Glück diese Schönheiten unbeschwert und sorglos genießen zu können, denn inzwischen toben die verheerenden Waldbrände in den Grampians sowie im nahegelegenen Otway Nationalpark, was wir erst durch Nachrichten von zu Hause aus Deutschland erfahren.
Auf dem London Bridge genannten und von der Brandung umspülten Felsen waren Besucher als die Verbindung zum Festland am 15.01.1990 völlig unerwartet brach und in den Fluten versank. Die beiden Besucher auf dem Felsen mussten ausharren bis sie mit einem Hubschrauber gerettet wurden.
Twelve Apostels – Port Campbell NP
Die Zwölf Apostel sind die wohl berühmteste Kalksteinformation an der australischen Great Ocean Road. Sie liegen zwischen Princetown und Port Campbell und ragen dramatisch aus dem Meer. Die Errosion durch die stürmischen Wellen setzen den Felsen enorm zu. So ändert sich jedes Jahr die Form der Buchten und insbesondere der Felsnadeln aufs Neue, was dem wirklich einmaligen Anblick und seiner unvergleichbaren Schönheit nichts nimmt. Derzeit sind nur noch acht sichtbare Felsen zu sehen, da andere bereits durch die fortdauernde Erosion einstürzten. Manche der Felsformationen weisen tiefe, senkrechte Risse auf und es ist nur eine Frage der Zeit bis sich diese in einzelne Felsnadeln spalten und so neue Apostel entstehen.


Great Otway NP
Die Fahrt von West nach Ost durch den Great Otway Nationalpark wie geplant zu machen, ist wegen den immer noch anhaltenden Buschbränden heute nicht möglich. Die B100, d.h. die Great Ocean Road ist bald nach den Zwölf Aposteln in beiden Fahrrichtungen gesperrt, so dass wir den Nationalpark weiträumig umfahren. Macht alles gar nichts, Hauptsache wir stecken nicht inmitten der Waldbrände in diesem großen Waldgebiet fest. So ändern wir die Route und fahren die Erskine Falls und den vorgesehen Übernachtungsort von Osten an. Eine Feuerwarn-App ist rasch installiert, so dass wir etwaige Änderungen bzw. neue Brandherde rasch mitbekommen. Auch Google Maps zeigt inzwischen die Waldbrände mit regelmäßigen Updates an.
Erskine Falls
Die Erskine Falls sind ein 30 Meter hoher Wasserfall in den Otway Ranges nahe Lorne. Zahlreiche Stufen führen, vorbei an tropischen Baumfarnen, hinab auf den Grund des Wasserfalls. Die Generation Z übt sich, wie überall auf der Welt, in der Selbstdarstellung und vielfältigen Posen vor dem Handy. Wie steil die Treppen wirklich sind, merkt man am Rückweg.
Baumfarne
Prachtvolle Wahrzeichen der Regenwälder sind Baumfarne, die unübersehbar ihre beeindruckenden Wedelkronen bis zu 20m hoch emporstrecken. Die mehrfach gefiederten Wedel von einer Länge bis zu 4m krönen die schlanken unverzweigten Stämme. In den tropisch bis kühl temperierten Regenwäldern Australiens und Tasmaniens bestimmen die Baumfarne das Bild des Waldes. Nur drei Arten von Cyatheales kommen in Australien vor: Cyathea australis (siehe Fotos), Cyathea cooperi und Dicksonia antarctica. Die außerordentlich schlanken Stämme können nicht, wie ein Baumstamm, im Laufe der Zeit durch Wachstum an Dicke zunehmen.

Lorne
Nach dem Umweg und dem Besuch der Erskine Falls kommen wir gerade noch rechtzeitig, d.h. so gegen viertel vor fünf Uhr am Campingplatz an, um an der Rezeption nach einem freien Platz anzufragen. Fully booked war die erwartete Antwort. Auf meine Frage wohin ich jetzt gehen kann um legal zu übernachten, bot mir der nette Mitarbeiter ausnahmsweise einen Platz auf dem Campground, von dem heute morgen ein Gast wegen der Brände vorzeitig abfahren musste, an. Aber nur für eine Nacht ermahnte er uns obwohl, wie wir die folgenden Tage sehen, der Platz weiterhin vakant bleibt. Uns ist es egal, wir frühstücken an einem Picknickplatz einen Meter vom Meer und für die Nacht gab es auch eine sichere und ungestörte Übernachtungslösung vor dem Nationalpark. Denn im Nationalpark übernachten ist in ganz Australien verboten und aktuell auch zu riskant.

Lorne befindet sich am Rande des Great Otway Nationalparks, ungefähr 140 Kilometer südwestlich von Melbourne. Von hier führen Wanderwege in den Nationalpark zu naheliegenden Wasserfällen wie den Sheoak-, Henderson- und den Erskine-Falls. Der Erskine River fließt zunächst durch Lorne und mündet dann in den Ocean. Der Ort selbst ist reizend und trotz der vielen Besucher gemütlich sowie bekannt für die vielen Gelbhaubenkakadus. Er ist durch die Nähe zum Great Otway NP äußerst beliebt, was sich auch in den Übernachtungsgebühren für den Campingplatz (120 AUD) widerspiegelt . Im Ort bieten gleich drei Bäckereien sehr gute Backwaren an, was für das bisherige Australien wie wir es kennen lernten, eine absolute Ausnahme darstellt. Auch ein hervorragendes griechisches Restaurant begeistert uns so, dass wir den Aufenthalt spontan verlängern und Lamm aus dem Ofen so gut schon lange nicht mehr serviert bekamen. Es ist einer der wenigen Orte die wir bislang zu Gesicht bekamen, die Charme haben und in denen man gern verweilt. Bei leckerem Mango Lassi oder einem frisch gezapften Bier lässt es sich hier gut aushalten.
Henderson Falls
Auf dem Weg zu den Henderson Falls im Otway NP sitzt ein Kookaburra, aus der Gattung der Kingfischer, völlig regungslos auf einem Ast und lässt sich von uns, anders als die ständig aufgeregten Kakadus, in keinster Weise stören. Der Weg ist das Ziel und so sind wir nicht enttäuscht, dass hier wenig Wasser über die Felsen strömt. Die grüne, manchmal fast gänzlich geschlossene Decke durch die Farnbäume ist schön anzusehen.


Canyon
Noch besser wird die Umgebung, als wir zum ausgewiesenen Canyon abbiegen. Zweieinhalb Kilometer sind es, die wir durch dichten Kaltregenwald wandern. Regelrechte Farnschluchten, enge Wege führen an hohen Felswänden vorbei. Hoch aufragende Eukalyptusbäume bilden eine ruhige Kulisse für diese Wanderung im Herzen des Great Otway National Parks. Die Farne bilden einen Baldachin und wir gehen wie durch einen Märchenwald.

Ausflug nach Apollo Bay und Sheoak Falls
Der lebhafte Küstenort ist nach dem Schoner Apollo benannt, der südwestlich im Februar 1846 Schiffbruch erlitt. Heute wird er komplett vom Tourismus domminiert, Vergnügungsanlagen wie Riesenrad und Karussell machen den Ort nicht gerade schöner. Für die vielen Familienurlauber, meist mit drei Kindern, ist es sicherlich eine gute Unterhaltung. An die gemütliche Atmosphäre von Lorne kommt er nicht annähernd ran. Zu den auf dem Weg liegenden Sheoak Falls ist es eine kurze Wanderung. Das wenige Wasser sammelt sich in einem kleinen Becken bevor es sich den Weg ins Meer bahnt. Auch hier sonnt sich eine Schlange unmittelbar neben dem Wanderweg.

Fairhaven Lighthouse
Nach drei Tagen in dem wirklich gemütlichen Lorne und bester Verköstigung setzen wir unsere Fahrt in Richtung Melbourne entlang der Küste auf der B100, der Great Ocean Road fort. Heute morgen nieselt und regnet es wie die Nacht über schon und auch vorgesagt.
Gegen Mittag erfahren wir, dass wir noch gerade rechtzeitig Lorne und Umgebung verlassen haben, da die Regenfälle der letzten Nacht zu Überflutungen an den beiden Campingplätzen zwischen Apollo Bay und Lorne führten. Dabei wurden Fahrzeuge und Wohnwagen ins Meer gespült. Zum Glück kamen keine Menschen zu Schaden, denn die Warnung über die Notfall- bzw. Katastrophen-App für Victoria kam 30 Minuten nachdem die Leute auf dem Campingplatz bereits evakuiert waren. Auch Lorne ist von den Überflutungen betroffen. Hier standen wir an unserem ersten Abend an vorderster Spitze des Campingplatzes. Der Erskine River war nur zwei Meter neben und ca. 50 tiefer neben unserem Wohnmobil. Es trennten uns nur noch ca. 100 Meter von Meeresmündung. Im Falle einer Überflutung wären wir vermutlich eines der ersten Fahrzeuge gewesen, das von den Fluten ins Meer gespült worden wäre. Wieder einmal riesiges Glück gehabt.





























































