Im Nordosten von Tasmanien gibt es doch einiges zu sehen. Beginnend mit der Passfahrt zur Jacobs Ladder, der Wineglass Bay und den faszinierenden Bay of Fires wird es uns ganz bestimmt nicht langweilig. Zudem verbringen wir nette Tage mit kürzlich kennengelernten lieben Menschen.

Spirit of Tasmania
Um 18:45 ist die reguläre Abfahrt, aber die Fähre kann, wie auch wir, es nicht erwarten loszulegen. So verlässt die Spirit of Tasmania bereits überpünktlich um 18:30 den Hafen. Wir begeben uns auf die Suche nach Chris und Rena, die wir beim Warten auf die Verladung im Hafen kennenlernten. Sie haben ihr Licht am Womo vergessen, das könnte morgen bei der Ausschiffung von der Fähre zu Problemen die keiner will, führen. Nachdem die beiden für uns unauffindbar sind, lassen wir sie kurzerhand ausrufen. Im Gegensatz zu italienischen oder griechischen Fähren ist die Durchsage über die Bordlautsprecher wirklich deutlich und ausgezeichnet verständlich. Man versteht jedes Wort und so hören und folgen die beiden dem Aufruf. Die Überfahrt verläuft, bis auf ein paar heftige Wellenschläge gegen das Schiff, wie wir sie von den Überfahrten im Mittelmeer nicht kennen, weitestgehend ruhig. Der Bordfunk weckt alle Kabinenpassagiere bereits um 5 Uhr 15 und so bleibt sogar noch genügend Zeit um gemütlich zu duschen. Pünktlich um 6 Uhr wird in Devonport angelegt und die Ausschiffung beginnt zeitnah.
Watermill Cottages
Mit Katharina und Philip aus der Schweiz hatten wir uns auf dem Campsite der Watermill Cottages verabredet. Die beiden kamen einen Tag vor uns auf der Insel an und suchten den reizenden Campingplatz aus. Eine herrlich große Wiese und ein Platz direkt am Teich mit der Wassermühle erwarten uns. Es wird ein langer, gemütlicher Abend mit den beiden, die wir an den Erskine Wasserfällen nahe Lorne kennenlernten. Über die naheliegende Batman Bridge verlassen wir am nächsten Tag, wegen den schlechten Wettervorhersagen für die zweite Wochenhälfte, gegen Mittag die Region und steuern den Ben Lomond National Park an. Zuvor ist noch ein Besuch der ehemaligen Goldmine in Beaconsfield angesagt.
Beaconsfield Gold Mine
Die Beaconsfield Gold Mine (Grubb Shaft Gold) in Tasmanien, etwa 40 km nordwestlich von Launceston, war eine der produktivsten Goldminen des Bundesstaates. Nach Entdeckungen von Gold im Jahr 1869 und dem langjährigen Abbau von Gold ab dem Jahr 1877, erlangte die Mine 2006 durch eine Grubenunglück weltweite Bekanntheit. Ein kleines Erdbeben verursachte einen Felssturz, dabei wurden siebzehn Bergleute verschüttet. Vierzehn von ihnen konnten sich retten, drei blieben eingeschlossen. Nach 14 Tagen unter Tage konnten zwei der drei eingeschlossenen Bergleute gerettet werden. Für den dritten Bergmann kam die Hilfe leider zu spät.
Jacobs Ladder
Um in den auf 1400 Meter liegenden Ort im einzigen Skigebiet Tasmaniens zu gelangen, geht es auf einer guten Schotterpiste durch Eukalyptus Wälder steil nach oben. Auf den beiden letzten Kilometern wird die Jacobs Ladder, wie die Piste mit den engen Serpentinen genannt wird, interessant. Bis auf einmal, als Gegenverkehr kam, waren die Kehren relativ harmlos. D.h. kein Vergleich zu den wirklich engen Haarnadelkurven die wir letztes Jahr in Marokko fuhren. Oben angekommen, sammeln sich eine Reihe von Wolken. Kaum sind wir wieder unten angekommen lacht blauer Himmel über uns. Nun wird die Fahrt in Richtung Wineglass Bay fortgesetzt, denn das sonnige Wetter soll morgen noch genutzt werden.

Wineglass Bay
Unerwarteter Weise erreichen wir tatsächlich noch am Abend den Freycinet Nationalpark. Der dortige Campingplatz ist nicht nur fully booked sondern wirklich voll und sogar bis April 2026 ausgebucht. Ein freier und kostenloser campsite 12 Kilometer entfernt ist leider ebenfalls bis auf den letzten Meter vollgestellt. So kehren wir zurück zum Campingplatz des Nationalparks, setzen uns an den Strand, genießen den Sonnenuntergang und übernachten auf dem dortigen Carpark vor dem Campingplatz. Wer braucht schon Reservierungen, das schränkt nur unnötig ein.
Die Bucht ist eine der meistbesuchten Attraktionen auf Tasmanien, daher brechen wir zeitig auf und sollten es auch nicht bereuen. Sie ist bekannt für ihre spektakuläre Kulisse aus rosa Granitbergen, den „Hazards“. Erreichbar ist sie nur zu Fuß oder per Boot. Mangels Boot wählen wir den Fußmarsch und so meldet sich der Wecker ungewöhnlich früh für uns, d.h. schon um 7 Uhr. Unverzüglich wird der Parkplatz, an dem die Wanderweg zur Wineglass Bay beginnt, angesteuert. Der Parkplatz ist nahezu leer und nur wenige Wanderer sind unterwegs, was sich bis Mittags massiv ändern wird. Zunächst führt der rasch ansteigende Weg zum Lookout und beschert uns eine fantastische Sicht auf die nahezu kreisrunde Bucht. Weniger angenehm zieht sich der anschließende Weg auf vielen, vielen Stufen bis in die weiße Sandbucht. 800 Stufen sind es auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg. Da gibt es kein Erbarmen mit meiner Athrose im rechten Knie, die sich unerwartet stark auf dem Rückweg in Erinnerung ruft.







Die See ist doch etwas zu stürmisch, so dass ich auf das Schwimmen im Meer verzichte. Nur ganz wenige gehen kurz in die Brandung um für die unvermeidlichen Handyfotos zu posen. Rechtzeitig um 13:30 kommen wir wieder am Parkplatz an, und schon verdichten sich die Wolken wie vorhergesagt rasch zu einer dichten Wolkendecke.






Da neugierige aber doch scheue Wallaby riecht eine Banane die Strandbesucher gerade auspacken. Es hätte doch zu gerne etwas davon, aber füttern der Tiere ist natürlich verboten.





Der freie Campingplatz, der gestern noch übervoll war, ist nahezu leer. Die Hoffnung auf einen sonnigen Nachmittag nach einer kurzen Bewölkung zerschlägt sich schnell, denn es fängt erst an leicht zu regnen um dann wahre Wassermassen über der Gegend auszuleeren. Der heftige Regen hält den restlichen Nachmittag und die ganze Nacht an. Der Nissan steht nach kurzer Zeit vollständig im Wasser. Ich mache mir keine Sorgen und bin überzeugt, dass das Wasser bis morgen wieder abläuft. Ansonsten müssen das Auto irgendwie, hoffentlich mit Motorkraft und Low Gear, aus dem weichen Sand gefahren und die Auffahrkeile im Anschluss im Schlamm gesucht werden. Und siehe da – Glück gehabt, denn am nächsten Morgen ist das Regenwasser verschwunden und der Platz lässt sich problemlos verlassen um die Blow Holes in Bicheno anzusteuern😊.
Blow Holes in Bicheno
Der Wellengang ist leicht stürmisch und so drückt es das Wasser in regelmäßigen Abständig kräftig durch eine enge Felsspalte, das Blow Hole, sowie über die von Wind und Wasser geschliffenen Felsen. Sogar kleinere Wellen schaffen es zu einem kräftigen, meterhohen Strahl.






Bay of Fire
Nach einer kurzen Kaffeepause in St. Helens gemütlichstem Cafe, setzen wir die Fahrt in die Bay of Fires fort. Hier wollen wir Chris und Rena von der Fähre treffen, aber plötzlich haben wie kein Internetsignal mehr. Oh je, dann wird die Kommunikation aber schwierig. Weit gefehlt, denn als wir kurz zur Orientierung am Straßenrand anhalten, um zu überlegen welchen der zur Auswahl stehenden Campsites entlang der Küste wir nun anpeilen, kommt der Allrad Mercedes der beiden auf uns zugerollt. So eine Insel wie Tasmanien ist nun wirklich nicht so groß wie man immer meint. Da muss man erst gar nicht Zeit und Ort im Detail ausmachen😉. Gemeinsam geht nun die Suche nach freien Plätzen los. Beim vierten Stellplatz haben wir dann endlich Glück, parken ein und packen Stühle sowie Bier aus. Fertig für heute, nun kommt der gemütliche Teil des Tages.

Der nächste Tag ist von Wolken geprägt. Lässt sich nicht ändern und so brechen wir zu einem gemeinsamen Spaziergang an den Gardens, dem Mainspot der Bay of Fires, mit Chris und Rena auf. Die beiden brechen im Anschluss zu ihrer Fahrt in den Süden der Insel auf.
Wir wollen unbedingt auf besseres Wetter warten und bleiben noch einen Tag. Rechtzeitig, zu schönstem Abendlicht hat die Sonne Erbarmen und lässt sich für ca. eine Stunde blicken. Ich breche sofort, mit der Nikon und Stativ bestückt, zu den vor uns am Strand liegenden Felskugeln, die allesamt mit orangeroten Flechten überzogen sind, auf. Was bin ich happy als ich zurückkehre.


The Gardens in Bay of Fires
Mit Sonne, die zwischen den Bäumen hindurch blinzelt, wachen wir auf und sofort geht es zu den nur wenige Kilometer entfernten Gardens der Bay of Fires. Hier ist gerade mal ein weiterer Camper am Parkplatz und die Felskugeln im besten Morgenlicht gehören uns. Ein Traum eines jeden Fotografens, bunte Felsen, weiße Strände und keine Leute vor der Linse.







Zum Frühstück wechseln wir in eine der netten kleinen Fahrzeugbuchten, die wir auf dem Herweg bereits sahen.




Mt. Williams NP
Auf 50 Kilometer Gravel Roads und Wellblechpisten geht es zum Eddystone Lighthouse im Williams National Park im Nordosten Tasmaniens. Der 35 Meter hohe Leuchtturm wurde 1889 aus rosa Granit erbaut. Neben einer Bootsrampe und einem netten Ausblick aufs Meer gibt es nicht viel zu sehen. Wir sind aber auch so etwas von verwöhnt mit weißen Stränden, mit orangefarbenen bewachsenen Granitblöcken – gestern im besten Abend- und heute im Morgenlicht, so dass ein normal schöner Strand für uns heute seine Wirkung gar nicht entfalten kann.



Blue Lake
Bei einem kurzen Halt am Blue Lake, nur wenige Meter neben der B82 zwischen Derby und Gladstone, ist ein kleiner See mit einer ungewöhnlichen Verfärbung zu sehen. Die Verfärbung resultiert aus früheren Minenarbeiten und kam erst mit Auffüllen der Mine zum Vorschein.



Myrtle Park
Auf dem Weg zum Myrtle Park steigt die Straße an und die Gegend wechselt von landwirtschaftlicher Nutzung zu Eukalyptus-Wald und Baufarnen. Hier haben wir uns wieder mit Kathy und Philip auf dem Campingplatz verabredet. Es ist ein großflächiger und wie üblich fully booked campsite. Wir finden neben dem Offroad Caravan der beiden ausreichend Platz auf einem riesigem Site, für bis zu 12 Leute, der direkt an einem Creek (kleiner Fluss) liegt.


Hier sehen wir doch tatsächlich zum ersten Mal die scheuen und seltenen Platypus. Das sind Schnabeltiere die der Ordnung der Kloakententiere angehören. Sie sind die einzigen verbliebenen Säugetiere, die ihre Nachkommen nicht lebend gebären. Platypus haben einem biegsamen Schnabel, der einem Entenschnabel ähnlich sieht, Biberschwanz und Otterfell. Sie sind in Tasmanien weit verbreitet und leben bevorzugt in Süßwasser wie Flüssen als auch Seen. Sie sind dämmerungsaktiv und fressen in der Hauptsache Krebse. Bei den männlichen Tieren sollte man vorsichtig sein, denn sie haben einen Giftsporn an den Hinterbeinen. Eine Wunde kann stark anschwellen und wochenlang Schmerzen verursachen.
Launceston
Die zweitgrößte Stadt Tasmaniens, nach Hobart der Hauptstadt, ist Launceston. Sie liegt mit über 65.000 Einwohnern im Norden der Insel am Zusammenfluss des Esk zum Tamar River und ist bekannt für ihre gut erhaltene viktorianische Architektur aus dem 19. Jahrhundert. An diesem Wochenende kamen die Foo Fighters zu ihrem einzigen Auftritt in Australien für 2026 in die Stadt. Die Preise für Unterkünfte stiegen dementsprechend an. Uns betrifft das nicht, denn wir standen ja auf einem reservierten Stellplatz bei Kathy und Philip. Bevor wir die Stadt erreichen zweigen wir zu einem der vielen Dump Points ab, um die Toilette zu entleeren. Neben den einheitlichen Dump Points sind auch Frischwasserstellen in den entsprechenden Camper-Apps, wie CamperMate und Wiki-Camp verzeichnet, was außerordentlich hilfreich ist.
zu guter Letzt …
Nun sind wir seit einer Woche auf Tasmanien und so begeistert, dass wir den Aufenthalt auf der Insel spontan um eine Woche verlängern, was auch gegen einen kleinen Preisaufschlag gelingt.




























































Liebe Christine und lieber Werner,sehr schöne Bilder und Reisebeschreibungen.
Wir waren ja auch auf Tasmanien ,welch eine Insel für WOMO Reisenden
Ein Traum auch für uns..Wünschen viele neue Eindrücke und Erinnerungen an die Insel.
Bleibt gesund und kommt gut nach Hause .Viele liebe Grüsse von Gabi und Wolfgang