Rainy (Smaragd) Coast
Rainy (Smaragd) Coast

Rainy (Smaragd) Coast

Wir verlassen Victoria und brechen nach New South Wales auf. Hier wird das Wetter leider auch nicht besser, sondern beglückt uns die komplette kommende Woche mit Regen und vielen Wolken. Der Grund ist die entlang der Ostküste liegende, nahezu 800 Meter hohe Gebirgskette der Dividing Ranges, welche feuchte Luftmassen von Neuseeland kommend, aufhalten und hier an der Smaragd Küste abregnen lassen. Welch ein wunderschöner Name – nur hat man dabei eigentlich ganz andere Assoziationen. Die trockenen Zeiten zwischen den Schauern nutzen wir rasch um die ‚traumhaften‘ Buchten der Smaragdküste näher anzusehen – und die könnten wirklich super schön sein – wenn die Regie hier mal den großen Scheinwerfer wieder anmachen würde.

Beowa Nationalpark

Der Park besteht aus zwei Teilen die im Süden durch die angrenzende Stadt Eden und nördlich davon durch den Princes Highway begrenzt werden. Für einen längeren Aufenthalt fehlt uns die Motivation und da im Park übernachten nicht erlaubt ist, müssen wir erst noch auf Suche gehen wo wir die Nacht verbringen. Also fahren wir die 23 Kilometerlange ruppige Wellblechpiste zurück zur A1, dem Princess Highway. Sobald wir Netz haben, wird zunächst die NSW Parkgenehmigung für einen Monat online gekauft. Ob diese jemals kontrolliert wird bezweifle ich ja mal, aber so ist man auf der sicheren Seite falls doch von Rangern kontrolliert werden sollte.

The Pinnacles

Bei starker Bewölkung warten wir fast eine Stunde auf einen Lichtschimmer, der die mehrfarbigen Felsen zum Leuchten bringen könnte. Denn ‚The Pinnacles‘ sind eine vielfarbige Erosionsschlucht mit weißen Sandschichten, die sich auf dem rostroten Lehm ablagerten. Viel interessanter war der doch relativ große Waran der sich bei unsrer Rückkehr in der Nähe unseres Wohnmobils herum trieb.

Eden

So schön der Name klingt, die Wetteraussichten sind mau. Gegenüber des Campingplatzes, der am Wochenende wieder einmal ‚fully booked‘ ist, stehen wir erhöht auf einem Parkplatz mit direktem Blick aufs Meer. An zwei Tagen tragen wir nachmittags die Campingstühle an den wenige Meter vor uns liegenden Sandstrand und genießen die wenigen Sonnenstunden am Nachmittag für ein Sonnenbad mit Croisant und Espresso aus dem eigenen Cafe. Kurioserweise liegt der Friedhof von Eden unmittelbar, d.h. mit direktem Blick vom Grab aufs Wasser, am Meer. Die beiden Campingplätze hingegen, einer mitten im Ort, der andere vor einer Böschung, einer Straße sowie einem öffentlichem Parkplatz von Strand und Wasser getrennt, sind weit ab von Strand und Meer. Egal warum auch immer das so gewollt ist, wir stehen zum Frühstück bereits mit offenen Fenstern und freiem Meeresblick hier und schätzen die frische Meeresbrise. Mit einigen der Tagesgäste, die zum Joggen oder für ein kühles erfrischendes Morgenbad kommen, gibt es nette Unterhaltungen.

Im naheliegende Wald senkt sich der Nebel zwischen den Bäumen und erzeugt eine mystische Stimmung.

Camel- und Horse Head Rock

Hier hat jeder Felsen im Meer seinen persönlichen Namen. Beginnend mit dem im Sand liegenden Camel Rock, suchen wir den Horse Head Rock und gelangen zunächst zum Dragon Tail Rock, eigentlich den letzten in der Reihe …

… dieser leuchtet von der Sonne angestrahlt, bis kurz bevor wir ihn erreichen. Dann schließt sich die Wolkendecke für diesen Tag endgültig. Egal, der 800 Meter lange Wanderweg durch den Wald ist angenehm zu laufen und bietet tolle Ausblicke auf das Meer. Manche der Felsen machen beim näheren Hinschauen einen regelrecht zerknautschten und faltigen Eindruck.

Den Horse Head Rock, der zunächst nur von seiner Rückseite sichtbar ist, verfehlen wir erstmal. Vom Dragon Tail Rock aus orientieren wir uns mit Hilfe von Google Maps nochmals und siehe da, von der anderen Seite kommend ist die typische Felsformation sofort erkennbar.

Lake Wallaga

Am frühen Morgen suchen wir erneut den Lake Wallaga auf, von dem wir gestern Nachmittag so abrupt wegfuhren, da uns Google zu verstehen gab, dass wir für den kurzen hike an den Horse Head Rock falsch sind. Es gibt auch hier einen Wanderweg zum o.g. Ziel, nur etwa 250 Meter länger. Aber das wussten wir gestern nicht und die Zeit drängte, da uns die schweren dunklen Wolken im Nacken hingen. Heute Morgen nun haben wir Zeit den See, der in völliger Windstille daliegt, zu erkunden. Nur wenig Sonne beleuchtet wie ein Strahler die aufgeschwemmte Sanddüne zwischen der rauen See und dem ruhig daliegenden See. Die dunklen Wolken tragen ihren Teil zur dramatischen Stimmung bei. Die Wanderwege sind wieder einmal vorbildlich gepflegt. Die potentiell nassen und rutschigen Teilstücke sind dabei mit im Boden eingelassenen Rautengittern rutschsicher gemacht.

Canberra

Da wir von dem lang anhaltenden schlechten Wetter so langsam die Nase voll haben, beschließen wir der Sonne zu folgen. Die Wettervorhersage bringt uns so unvermutet nach Canberra, welches nie auf dem Reiseplan stand. Von der Küste kommend fahren wir die Dividing Range auf knapp 800 Meter hoch und landen auf der Hochstraße völlig unerwartet in dichten Wolken. Sobald der Pass überwunden ist, gewinnt die Sonne wieder Oberhand und die Farne stechen aus dem Einerlei der Gumtrees satt grün heraus.

Canberra, die Hauptstadt Australiens, wurde zwischen Melbourne und Sydney 1913 neu erbaut, da sich die beiden Rivalen nicht einigen konnten, welche der beiden Landeshauptstädte nun Hauptstadt für ganz Australien werden sollte. So entstand auf dem Reisbrett eine groß und weitläufig angelegte Verwaltungsstadt, mit Parlamentsgebäuden, dem obersten Gerichtshof, Kunsthallen und einer nichtssagenden nahezu menschenleeren Innenstadt. Sie liegt umgeben von Wald, Ackerland und Naturschutzgebieten im südöstlichen Landesinneren, was ihr den Beinamen „the bush capital“ einbrachte. Ein paar asiatische und italienische Bistros und Eisdielen, einen Woolworths sowie Coles und Co. gibt es – aber viel mehr fanden wir nicht. Parkplätze für Wohnmobile mit über 2.20 m Höhe sind in der Innenstadt nicht vorgesehen, denn welche Parlamentarier kommen schon mit dem Camper zur Arbeit. Vermutlich verirren sich auch nicht wirklich viele Touristen in die Metropole.

Enlighten Festival

Das jährlich stattfindende Kunst- und Kulturfestival unter freiem Himmel stand immer wieder in der Kritik, und versucht auch dieses Jahr mit wenig überzeugenden Lichtinstallationen und -projektionen Aufmerksamkeit zu erregen. Dies gelingt sogar in unserer Heimatstadt deutlich besser. Um so mehr überzeugen die Auftritte von lokalen und überregionalen Musikern. Auf das Kurzfilmfestival am Freitag sowie das Konzert am Sonntagabend verzichteten wir um wieder an die Küste zurück zur eigentlichen Route zu fahren.

Braidwood

Die alten Städtchen aus der Gründerzeit die wir auf unserem Rückweg an die Küste kennenlernen, sind gemütlich und versprühen viel Charme mit ihrem viktorianischen Baustil, den Veranden und Balkonen. Aber nicht zuletzt liegt es auch an den Bewohnern, die Altes erhalten und pflegen. Mit guten Geschäftsideen wie dem Verkauf von kunstvollen Lederarbeiten, Keramik und leckeren Kuchen werden Kunden angelockt.

In dem wirklich kuriosen Buch- / Esoterikgeschäft mit einem gemütlichen Cafe mit guter Musik vergessen wir beim Lesen und Stöbern zwischen Büchern, Keramik und Blumen sowie bei Cappuccino völlig die Zeit.

Strandgut an Batemans Bay

Nach der Ankunft am Meer erwarten uns wieder Regen und Wolken an der Regenküste. Zwischendurch bleibt es kurz trocken, was wir sofort für einen Strandspaziergang in der Batemans Bay nutzen.

Barlings Beach

Am nächsten Morgen versucht sich die Sonne verzweifelt durch die Wolken zu kämpfen, was nicht wirklich erfolgreich verläuft. Nach einem kurzen Spaziergang und ein paar Fotos am Strand treibt uns beginnender Regen zurück ins Wohnmobil. Bevor es langweilig wird suchen wir nachmittags zwei Brauereien auf. Die Erste liegt mitten im Nirgendwo, ist aber komplett bis 15:30 ausgebucht. Dummerweise schließt das wirklich nette Ausflugslokal mit eigener Brewery und Destillery um 16 Uhr, was ärgerlich ist, denn wir waren heute morgen schon hier als es noch geschlossen war. Hätten wir mal besser online reservieren sollen. Bei der zweiten Brauerei haben wir mehr Glück, ergattern sogar noch einen Sitzplatz und vertreiben uns die Zeit mit Bierverkostung und dem Formel 1 Rennen welches aktuell im sonnigen Melbourne stattfindet, während es hier schon wieder regnet.

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