Melbourne besuchten wir für zwei Tage bevor es von Geelong mit einer Nachtfähre, der Spirit of Tasmanina, auf den südlichsten Bundesstaat Australiens, nach Tasmanien geht. Nun sind wir zurück und erkunden die südlich der Hauptstadt liegende Halbinsel.

Geelong
Vom Fährhafen von Geelong unweit des Segelhafens verließen wir das australische Festland nach Tasmanien und kommen nach dreieinhalb Wochen hier wieder an. Seit 1841 wurde Wolle aus Geelong nach England exportiert. Über den Princes Highway, der uns seit South Australia begleitet, ist Melbourne in etwa einer Stunde zu erreicht. Die farbenfrohen Poller im Hafen sind das Werk des Künstlers Jan Mitchell. Es gibt mehr als 100 dieser riesigen bemalten Ikonen. Sie bilden eine Chronik der Vergangenheit der Stadt und stellen einige der einzigartigen Persönlichkeiten Geelongs dar.

Melbourne
Melbourne ist die Hauptstadt des Bundesstaates Victorias. Sie ist nach Sydney die zweitgrößte Stadt Australiens und ausgesprochen multikulturell, d.h. eher asiatisch als europäisch geprägt. Zwischen den Wolkenkratzern sind noch vereinzelt kleine Häuser aus der viktorianischen Zeit bzw. von den chinesischen Immigranten zu sehen. Die Küche ist dadurch sehr breit aufgestellt, von griechisch, türkisch bis hin zu allen asiatischen Ausprägungen findet man Essbares in kleinen unscheinbaren als auch großen Restaurants.

Mit dem öffentlichen Bus fahren wir bis in die Innenstadt und hoffen abends die Haltestelle für den richtigen Bus der zum Campingplatz fährt, zu finden. Am Anfang ist so eine riesige Stadt erstmal etwas unübersichtlich, aber das kennen wir ja. An unserem zweiten Tag in Melbourne können wir uns schon besser orientieren. Heute wollen wir die riesigen Markthallen des Victoria Markes, die nur Samstags geöffnet sind, besuchen. Hier wird von Kleidung, Koffern, Hüten über Kleinkunstwerk und natürlich viel unterschiedlichem Essen alles angeboten, was man meint brauchen zu können. Melbourne ist eine tolle, pulsierende Stadt und ganz anders als die zuvor besuchten Städte. In der belebten Fußgängerzone mit asiatischen Restaurants aller Art, Livemusik, den Grünflächen mit vielen jungen Leuten und in den Malls natürlich, ist überall Unterhaltung geboten. Einfach quirlig und nicht so verschlafen wie es in Adelaide war. Gestern fanden wir beim Vietnamesen eine gute Pho Suppe und heute wird es indonesisch sein, da die Schlage der außerhalb des griechischen Lokals wartenden Menschen, meine Geduld bei weitem übersteigt.
Die State Library of Victoria in Melbourne wurde 1854 im viktorianischen Stil erbaut und ist die zentrale Bibliothek des Staates Victoria. Heute haben wir die Zeit, uns die Library ausführlich anzusehen. Neben der großen Bibliothek gibt es zahlreiche Ausstellungsräume und auf dem Vorplatz spielen nachmittags Straßenmusiker, was wir bereits gestern genießen konnten.
Die Royal Arcade ist eine historische Einkaufspassage die 1870 eröffnet wurde und im heutigen CBD, dem zentralen Geschäftsviertel, liegt. Die älteste Passage der Stadt verbindet die Bourke Street Mall mit der Little Collins Street und bietet angenehmes Ambiente mit ausgesuchten Delikatessen wie u.a. einer guter heißen Schokolade. Dieser werden wir noch nachtrauern, als wir anderen Tags im Cafe einer Mall einen Cappucino bestellen, aber ein Kaffee-Milch-Gebräu mit viel schlechtem Schokopulver serviert bekommen.
Die Block Arcade ist eine der schönsten Einkaufspassagen des späten viktorianischen Zeitalters und wurde zwischen 1891 und 1893 erbaut. So manche Besucherin, als auch einige Geschäftsauslagen erwecken den Eindruck, dass das viktorianischen Zeitalter noch gegenwärtig ist.
Der Shot Tower ist ein historischer, 50 Meter hoher, 9-stöckiger Backsteinturm aus dem Jahr 1889, der sich inzwischen vollständig vom Melbourne Central Shopping Centre mit grellbunter Deko umschlossen ist. Bis 1961 wurde er zur Herstellung von Bleikugeln für Schusswaffen genutzt, indem geschmolzenes Blei von oben heruntergelassen wurde. Heute schallt Musik aus allen Rohren, sprich Cafes und Restaurants, so dass es schwer ist der live dargebotene Klaviermusik zu lauschen.
Brighton Bathing Boxes
Dreieinhalb Wochen später … Den Central Business District kennen wir inzwischen ein klein wenig von unserem 2-tägigen Aufenthalt in Melbourne bevor es nach Tasmanien ging, so dass wir außer einem kurzen Stopp bei Dan Murphie’s die Großstadt hinter uns lassen und nach Brighton zu den Bathing Boxes, die außerhalb der Stadt am Strand liegen, fahren. Diese wurden in den Jahren ab 1860 gebaut und ähneln denen in Cape Town. Bunt und fröhlich sind sie inzwischen zu Investitionsobjekten der reichen Städter mutiert, denn es werden Preise von bis zu 100000 AUD für eine der bunten Holzhütten aufgerufen. Nach dem Besuch der viel fotografierten Umkleiden und der von einem Mitarbeiter des Cafes akribisch kontrollierten Parkzeit, die wir nicht überschreiten wollen, geht’s nun bei strahlendem Sonnenschein rasch ans Meer …
Mornington Peninsula
… so war zumindest der Plan, aber die Mornington Peninsula Shire liegt am Rande der südlichen Vororte von Melbourne und aus dem gedachten sonnigen Nachmittag am Meer wird es einer auf der Autobahn. Auf einem mehrspurigen Freeway, der Freitag Nachmittag erwartungsgemäß mit Staus für lange Verzögerung sorgt, erreichen wir erst nach fast vier Stunden aber zumindest noch vor 16:30 das Visitor Center des Campingplatzes in Rosebud, so dass wir einchecken können. Zu den bereits gefahrenen 80 Kilometern aus CBD (Central Business District) kommen nochmals 18 km bis zum Campsite am südlichsten Zipfel der Penisula in Portsea obendrauf. Der oder besser die von der Gemeinde bereit gestellten Campingplätze ziehen sich zwischen Meer und Straße eingequetscht über ca. 25 Kilometer hin. Nahezu alle Stellplätze sind aus- bzw. vorgebucht, da das Wochenendwetter schön werden soll. Unser angeblich so netter Stellplatz ist bucklig und liegt, gleich wie alle anderen, direkt an der vielbefahrenen Straße. Zudem ist es auch nachts noch recht laut. So suchen wir uns für die beiden nächsten Tage ein etwas ruhigeres Plätzchen direkt am Meer.

Mit dem online gebuchten Campingplatz, auf dem wir uns einen der nummerierten Stellplatz selbst auf der Website aussuchen können und nicht zugeteilt bekommen, sind wir so zufrieden, dass wir gleich noch einen weiteren Tag bleiben. Nur wenige Meter trennen uns vom Strand. Hier kommt das blaue Sonnensegel wieder zum Einsatz, welches so rasch aufgebaut ist. Es braucht nur die vier Beutel mit Sand füllen, beide Stangen unter das Segel spreizen und fertig ist der Sonnschutz, der weitaus mehr Schatten spendet als die windanfälligen Sonnenschirme. Wir beobachten Australier, die ihre Hunde im Wasser abkühlen. Ausgewanderte Griechen versorgen uns mit Ratschlägen für das Outback und mit unseren Nachbarn aus der französischen Schweiz, die mit drei Kindern ebenfalls für ein Jahr in Australien mit ihrem Pickup Camper unterwegs sind, unterhalten wir uns befremdlicher Weise auf Englisch. Die Zeit reicht u.a. für einen Morgenspaziergang am kühlen Meeressaum. Es sind zwei gemütliche Ruhetage in denen wir die wunderschönen Erinnerungen von Tasmanien verarbeiten und sacken lassen können. Auch ein paar bunte Umkleidehäuschen gibt es hier wieder zu bestaunen. Die angetriebene Feuerqualle stört nicht weiters und das Meer als auch der Strand sind sehr sauber. Haie sind nicht in Sicht, also ab ins Wasser.
London Bridge Lookout
Den atemberaubenden Felsbogen an der Grenze zwischen Portsea Surf Beach und dem Point Nepean National Park schauen wir uns bei Ebbe an, da etwas vergleichbares auf Bruni Island nur schwer zugänglich war und hier sollten wir nicht enttäuscht werden. Vom Parkplatz führt ein ausgeschilderter Sandweg an den Strand, so dass der Felsbogen nicht zu verfehlen ist. Die von den heranbrechenden Wellen ausgewaschenen Felswände am Rand des Sandstrands, haben interessante Strukturen.

Quarantänegebiet
Die Südspitze der Peninsula war ein früheres Quarantänegebiet für die ankommenden Einwanderer aus Europa. Viele der Ankommenden aus England erkrankten während der monatelangen Überfahrt nach Down Under und nicht wenige starben noch vor erreichen des Kontinents an Typhus und anderen Krankheiten. Ein Friedhof zeugt von den vielen, meist unbekannten, Frauen, Kindern und Männern, die es nicht schafften gesund ihr ersehntes Ziel zu erreichen.
Cape Schanck
Das Cape Schanck befindet sich etwa 72 km südlich von Melbournes Central Business District, an der südlichen Spitze der Mornington-Halbinsel. Das 1859 als zweiter Küstenleuchtturm Victorias aus Kalkstein erbaute Cape Schanck Lighthouse ist 21 Meter hoch. Ein hölzerner Boardwalk und viele Stufen führen vom geräumigen Parkplatz bis in die Felsbuchten am Kap.


Fehlercode P0134
An den beiden letzten Tagen auf Tasmanien meldete sich die Motorkontrollleuchte wieder einmal. Es ist der gleiche Fehlercode P0134 wie er bereits Ende November in Western Australia auftrat. Unsere Vermutung war, dass die Ursache an schlechtem, d.h. schwefligem Diesel liegt. Nachdem die Werkstätten auf dem Weg nach als auch in Esperance nicht Willens waren uns auch nur in irgendeiner Weise zu unterstützen – wie denn auch: da alles inkl. Hirn ‚fully booked‘ war, hoffen wir nun in Melbourne auf breiteres Verständnis und eine ordentliche Unterstützung bei der Fehleranalyse sowie der endgültigen Beseitigung des Fehlers. Auf Tasmanien wollte am Tag vor unsrer Abfahrt niemand etwas analysieren oder gar unternehmen, da sie mindestens eine Woche auf etwaige Ersatzteile warten müssten. Nun sind wir ja auf dem Festland in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt, d.h. Ersatzteile beschaffen ist jetzt keine valide Ausrede mehr. Auf der Fahrt in die Nissan Werkstatt, tritt der Fehler nicht mehr auf. Also warten wir, aber der Fehler bleibt verschwunden. Zumindest solange bis war nach den erholsamen Tagen auf der Mornington Halbinsel und nach Besuch des Cape Schanks gen Osten aufbrechen. Da leuchtet plötzlich die Kontrollleuchte wieder. Wir suchen sofort die nächst liegende Nissan Werkstatt auf. Die können für 192 AUD leider nur den Fehlercode auslesen, da sie keine Hebebühne für Auto mit 3.5t haben. Den Code wissen wir selbst, also weiter zur einer größeren Werkstatt im nächsten Ort. Die können uns für die folgende Woche einen Termin anbieten, wollen das auch sofort gegen 192 AUD einbuchen. Ich frage nach ausreichend hohen Werkstatttoren, denn die die ich sehen kann sind maximal für 2 Meter hohe Fahrzeuge ausgelegt, was für unseren Camper bei weitem nicht hoch genug ist. Das können sie auch nicht ändern, aber einen Termin könnte ich schon haben – auch wenn’s wenig Sinn macht. Die nächste Nissan Garage in Dandenong versteht das Problem, bietet uns an morgen den Fall für Analysekosten von 295 AUD, zzgl. Material, anzusehen. Am nächsten Tag bringen wir um 9 Uhr wie vereinbart das Auto zur Inspektion und warten erstmal 2 Stunden bis uns mitgeteilt wird, dass ihre Messgeräte den Fehler nicht zuordnen können, da sie keine passenden, europäischen Fehlerbeschreibungen dazu haben. Der Code wurde zurückgesetzt und dann noch eine gute Fahrt. Das war’s, danke Nissan! Einzig, der Mechaniker kam noch zum Auto, zeigte mir wo der Sensor liegt und wir schauten gemeinsam ob die Kabel intakt waren. Das reichte bereits, dass sein Chef antanzte um ihn an die vielen Aufträge zu erinnern :-(.
















































































