Gippsland
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Wilsons Promontory National Park

Der 50.000 Hektar große Wilsons Promontory Nationalpark bietet zahlreiche Möglichkeiten die Natur auf einem 80 Kilometer langen Wegenetz zu erkunden. Granitberge, wie auch die weißen Sandstrände am Squeaky Beach begeistern so viele Besucher, so dass der Campingplatz des Nationalparks Monate im Voraus ausgebucht ist. Wir finden 30 Kilometer vor dem Park einen Busch Campground, der für den heutigen Abend ausreichend ist. Die guten Plätze mit Blick aufs Meer, belegen die nicht anwesenden Dauercamper. Ist auch egal, denn das Meer ist gerade eh nicht zur Stelle. An den Abbruch zum Strand zu gelangen ist wegen den vielen Hinterlassenschaften der Hunde nicht einfach und es findet sich kein richtiger Pfad oder Weg ans Ufer, denn die steil abfallende Böschung wirkt undurchdringlich und nicht einladend. Wer weiß auch schon, was sich alles unter dem Laub und ineinander verflochtenen Ästen verbirgt. Bei undurchdringlichem Buschwerk, fällt mir immer die Tiger Snake vom Lake Dove ein. Die versteckte sich zunächst auch im Buschwerk, bis sie sich wegen des Frosches an den Unterstellplatz für Wanderer, wagte.

Whiskey Bay

Gleich nach dem Duschen brechen wir am Morgen in die Whiskey Bay auf was den Vorteil hat, dass wir zu den ersten Besuchern gehören. Ein Reisebus verlässt nach wenigen Minuten den Parkplatz und der Strand ist wie leer gefegt. Die Erwartungen waren nicht hoch, weder bezgl. des Wetters noch auf die Felsformationen bezogen. Doch die Granitblöcke und rundgeschliffenen Steinkugeln sind weitaus größer und viel beindruckender als erwartet. Auch der blaue Himmel und die Sonne tragen ihren Teil bei. Welch ein toller Tagesanfang.

Vom lookout Whiskey Bay hat man einen hervorragenden Blick über beide Teile der Bucht, die in der Mitte durch die Granitblöcke getrennt ist.

Squeaky Beach

Nächster Halt ist der Squeaky Beach, nur wenige Kilometer weiter südlich der Whiskey Bay. Es sollte nur ein kurzer Stopp werden, doch der puderfeine und weiße Sand ist so verlockend, dass wir spontan bis an die andere Seite des Strandes spazieren. Hier gibt es wieder einmalige Felsformationen am Strand und im Wasser zu sehen sowie einen Pfad der zum Piller Point Lookout führt. Von den zwischendurch dunklen Wolken lassen wir uns nicht einschüchtern.

Pillar Point Lookout

Wozu noch weiter mit dem Auto fahren, wenn wir den Lookout auch von hier aus erreichen können. Nur mit Birkenstock und ohne Wasser machen wir uns auf den Weg. Was auch gar kein Problem ist, nur gegen Ende des Weges am Lookout, wäre vernünftiges Schuhwerk schon von Vorteil. Die Felsen am Aussichtspunkt sind von den vielen Besuchern spiegelglatt getreten. So ohne festen Halt in den Schlappen und ohne rutschfeste Sohle ist es etwas gewagt auf den Felsen, die wie üblich ohne jegliche Sicherung sind, herum zu klettern. War so ja nicht geplant und geht auch alles gut aus.

Bear Gully

Für den Abschluss des herrlichen Tages ist nun ein schöner Campground nötig, nachdem das gestrige Bush Camp nicht wirklich überzeugend war. Wir finden einen von der Victoria Parks Verwaltung z.V. gestellten Camp in WikiCamps bzw. CamperMate. Nach einer Stunde Fahrt gen Norden ist der direkt am Meer gelegene Platz mit freien Stellflächen erreicht. Nun beginnt die Suche nach den Buchungsmöglichkeiten denn die auf einer Tafel des Victoria Park Verwaltung angegebene website gibt es erstmal nicht. Bei der Google Suche nach Bear Gully werde ich fündig und buche sofort eine der freien Sites. Leider ist dieser für morgen schon reserviert, aber es stehen noch andere Sites, u.a. der unmittelbar neben unserem aktuellen, zur Verfügung. Warten wir es ab. Am morgen ist der Nachbarplatz noch buchbar, aber in den drei Zelten die dort aufgebaut sind, gibt es kein Leben. Eine Stunde später sehen wir, dass die Zelte abgebaut werden und wir buchen den Platz sofort. Der ist uns jetzt sicher. Wir müssten nur den Camper umsetzen, aber wer weiß schon ob wirklich jemand an unseren aktuellen Platz No. 30 möchte oder ihn einfach nur vorsorglich gebucht hat. Klappt soweit bis 16:30, dann kommt ein freundliches Paar und wir räumen sofort den Platz. Sie haben Verständnis denn sie kennen die Problematik der reservierten, aber nicht genutzten Stellplätze.

Tarra Bulga National Park

Der Tarra Bulga Park, etwa 158 km östlich von Melbourne, ist ein Juwel in den Strzelecki Ranges. Hier findet man die letzten Stellen des Eukalyptus-Primärwaldes. Der Nationalpark ist für seine uralten Mountain Ash Trees, d.h. die Eukalyptus-Riesen die bis zu 100 Meter hoch in den Himmel wachsen, Baumfarne und die beeindruckende Corrigan-Hängebrücke bekannt. Allein die Zufahrt in den Nationalpark ist schon ein Traum von Farnwald.

Cyathea Falls

Auf dem Weg zu den Cyathea Falls halten wir kurz am Tarra Fall. Der mag nach ausreichend Regen ja nett sein, aktuell ist es nur ein Rinnsal. Egal wir haben besseres vor und sind bereits von der Anfahrt schon so begeistert, dass wir wo es möglich ist anhalten. Grün wohin man blickt. Farne und Farnbäume entlang der Straße und in der Schlucht, so dass wir uns gar nicht satt sehen können. Den Campground an den wir abends zurückkehren, passieren wir zunächst ohne Halt, denn für die Wanderung durch den Kaltregenwald zu den Cyathea Falls wollen wir ausreichend Zeit haben. Vom Parkplatz ausgehend erreichen wir zunächst einen sehr schön angelegten Picknick Bereich entlang des Tarra Rivers. An Wanderparkplätzen wie hier, findet man in Australien immer saubere Toiletten mit Waschbecken und häufig Picknick Bänke mit Tisch. Zuhause in Deutschland steht stattdessen ein Kassenhäuschen um die Parkplatzgebühr entrichten zu können – Toiletten Fehlanzeige – welch ein gravierender Unterschied. Der Rundweg zu den Falls führt durch einen Farn- / Feenwald, welcher noch viel dichter ist als die Farne entlang der Zufahrtsstraße. Die Farnbäume spannen mit ihren ausladenden Wedeln ein Dach über die Forstwege, was einen ‚gut beschirmten‘ Eindruck hinterlässt.

Am Wasserfall können wir die Ruhe genießen, denn außer uns sind jetzt am Nachmittag keine weiteren Besucher dort. So turne ich mit Foto und Stativ auf den Felsen um möglichst die beste Perspektive zu finden und stehe niemanden im Bild wie auch mir keiner dieser dauer-poser vor die Linse läuft.

Corrigan Suspension Bridge

Vom Campingplatz, etwas südlich des Wasserfalls liegend, fahren wir diese herrliche Straße ein weiteres Mal bergauf auf dem Weg zum Corrigan Suspension Bridge Parkplatz. Die Sonne steht noch nicht so hoch wie gestern Mittag als wir hier ankamen, daher liegt noch manches im Schatten. Je höher wir jedoch fahren, desto eher kommt die Sonne durch und lässt den immergrünen Waldbehang aufleuchten. Es ist ein großartiges Schauspiel was in den Morgenstunden von der Natur geboten wird. Nach einer knappen halben Stunde ist der Wanderparkplatz erreicht und bevor wir zur Wanderung aufbrechen, gibt es erstmal Frühstück.

Die Hängebrücke, die über den Tarra River führt, ist auf einem gepflegten Wanderweg ohne viel Steigung und Gefälle erreichbar, was sich für mein noch immer in Mitleidenschaft gezogenes rechtes Knie doch sehr entgegenkommend anfühlt. Die Suspension Bridge ist ein eher älteres Modell und bereits etwas eingewachsen, so dass man sie selbst von dem eigens dafür vorgesehen lookout inmitten der vielen Farnwedeln gar nicht richtig erkennen kann.

Wald Campground

Nur wenige Kilometer vor der ehemaligen Goldgräbersiedlung Walhalla und in unmittelbarer Nähe zur Brücke die die Goldgräberstadt mit dem Umland verbindet, campen wir auf einem offiziellen Campground am Waldrand. Das Foto aus vergangenen Tagen, das die Brücke mit Dampflok zeigt, finden wir im Museum von Walhalla.

Goldgräberort Walhalla

Walhalla war von 150 Jahren eine der reichsten Gemeinden Australiens. 1863 wurde die Goldgräberstadt, mit einer eigener Eisenbahngesellschaft der Walhalla Goldfields Railway, gegründet. Mehr als 4.000 Abenteurer suchten ihr Glück in den Goldminen. In den Anfangsjahren gab es zwar Pubs und Bordelle aber noch keine Polizei, es herrschte Willkür und das Recht des Stärkeren.

Long Tunnel Extended Gold Mine

Die Schächte der Long Tunnel Extended Gold Mine, von denen seitliche Stollen abzweigen, führen bis 1100 Meter Tiefe in den Berg. Drei Belüftungs- und Abluftschächte sorgten für Frischluft. Dies war neben den zahlreichen Unfällen bei weitem nicht ausreichend für grundlegende gute Arbeitsbedingungen der Bergbauarbeiter. Jeweils drei Minenarbeiter arbeiteten im Team, d.h. einer hielt einen etwa 50 cm langen Meisel und zwei droschen mit schweren Hämmern abwechselnd auf den Meisel. Was bei weitem nicht immer klappte und wofür der Mann in der Mitte, der den Meisel hielt, mit seinen Rippen oder Händen bezahlte. Mit 15 Jahren wurden die Männer im Bergbau angeheuert, mit 25 bis 32 waren sie alt und körperlich am Ende. Pferde wurden für den Abtransport des Gesteins in die Stollen hinabgelassen. Die Schienen haben ein leichtes Gefälle zum Ausgang, was den Abtransport des schweren Gesteins in den Loren erleichterte. Oben im Tageslicht angekommen wurde das Gestein mit dampfbetriebenen Maschinen zerkleinert um anschließend die Goldkörner auszuwaschen.

Es gab außerordentlich ergiebige Funde bei denen Investoren und Aktieninhaber viel verdienten. Aber auch totale Pleiten in den, obwohl in unmittelbarer Nähe liegenden, Nachbarschächten (s. u.s. Schachtplan / rechter senkrechter Schacht). Der Ertrag mit 6 Gramm pro Tonne Erz war wohl ausreichend für den gewinnbringenden Betrieb. In Tasmanien gab es Minen mit bis zu 22 Gramm pro Tonne. Großes Glück und viel Ausdauer gehören dazu um bei der Suche nach Gold erfolgreich zu sein. Wir haben weder – noch bei der Goldsuche und so ziehen wir, ohne weitere Reichtümer gefunden zu haben, weiter.

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