
Paynesville
Der Campingplatz von Paynesville war ein mittlere Katastrophe, gammlige alte Dauercamperverschläge mit verranzten Wohnwägen beherrschen das Bild. Zudem wird uns, bei minimaler Belegung und viel freier Fläche zum Campen, ein Platz zwischen zwei großen Wohnanhängern mit gerade mal dreieinhalb Metern Breite zugewiesen. Diese Unverschämtheit lasse ich mir nicht bieten, denn direkt daneben sind zwei leere Stellplätze wie auch auf der gegenüberliegenden Grünfläche. Mit Grummeln erlaubt der Verwalter, dass wir einen dieser beiden Plätze belegen. Da ziehe ich eine Online Buchung mit eigener Platzwahl, wie es einige der Victoria Park Sites ermöglichen, so einem selbstherrlichen und misslaunigen Platzwart vor.
Schwarze Schwäne und Koalas
Welch wohltuender Wechsel vom Campsite an die sonnige Hafenmole. Luxuriöse Ferienapartments mit eigenem Bootsanleger sehen schön und teuer aus. Brauche wir alles nicht, denn wir setzen mit einer 5-Minuten Fähre auf die 300 Meter entfernte Raymond Insel über. Hier lockt der Koala Trail auf sandigen Wegen entlang der Bucht und im Ort. Koalas sind erstmal nicht zu sehen, dafür Schwäne. Die schwarzen Schwäne, die es nur in Australien gibt, verstecken ihre weißen Federn geschickt unter dem pechschwarzem Mantel.



Mit dickem Objektiv bestückt und den Blick nach oben in die Eukalyptusbäume gerichtet, laufen wir suchend aber erfolglos umher, bis ich die Nikon wieder wegpacke. Zunächst weist uns ein italienisches Paar auf einen kleinen, in der Astgabel versteckten Koala hin. Später zeigt uns ein Anwohner einen weiteren Koala unweit seines Gartens. Dann hören wir lautes – eher sehr lautes Gebrüll – was wir zunächst gar nicht den kleinen Koalas zugetraut hätten. Zwei Koalas tauschen vermutlich ihren Morgengruß oder Unmut lautstark aus, so dass sie leicht in den naheliegenden Bäumen zu finden sind. Einer der beiden sitzt nur einen Meter über dem Boden, so dass wir Auge in Auge einander gegenüber stehen, bis er oder sie (who knows) nach oben klettert. Oben angekommen, beginnt inmitten der riesigen Auswahl, das große Fressen. Es wird immer wieder gründlich an der Rinde des Baums geschnüffelt, denn vermutlich waren schon andere Koalas vor ihm hier, die nächsten Äste rangeholt und weitergefressen, bis es wieder was zu brüllen gibt. Es ist so schön aktive Koalas zu sehen, denn bislang waren die Kleinen eher schläfrig als aktiv.
Der kleinere der Beiden ist definitiv der lautere. Unglaublich was die zierlichen Kerlchen mit den langen Krallen so alles drauf haben.
Der nächste im Bunde springt munter auf dem Boden herum und will an Christine’s Bein hochklettern, was sie jedoch zu vermeiden weiß. Dann turn er nun doch wieder auf einen Baum und versucht mit seiner Pfote mir das Handy zu entwenden. Er ist einfach neugierig, aber das ginge zu weit. Bei einer weiteren Besucherin hat er dann Glück und erwischt sie am Bein. Die Trekkinghose überlebt den Annäherungsversuch, nur ein kleiner nasser Fleck, vermutlich von seiner Zunge oder der Nase bleibt auf dem Stoff zurück. Putzig der Kleine, aber man sollte immer ein Auge auf seine ca. 4-5 cm langen Finger mit Krallen haben, denn die machen einen recht kräftigen Eindruck.



Stony Creek Trestle Bridge
Die Brücke wurde 1916 erbaut um die bestehende Eisenbahnlinie Melbourne – Bairnsdale bis Orbost zu verlängern. Die Stony Creek Trestle Bridge, eine der wenigen historischen Holzgerüst-Brücken Victorias, ist aus Rotem Eisenholz und Grauem Eukalyptusholz mit einer Länge von 276 Metern und einer Höhe von 20 Metern erbaut. Die Brücke war über 60 Jahre lang, bis sie 1980 durch einen Buschbrand beschädigt wurde, in Betrieb. Die 100 Kilometer lange Erweiterung war wegen des unwegsamen Geländes das schwierigste Eisenbahnprojekt Victorias.
90 Miles Beach
Am 90 Miles Beach übernachten wir in Strandnähe an einen offiziellen Bushcamp der Kommune. Bei Nieselregen kann der Strand trotz seiner beindruckenden 90 Meilen, die in Wirklichkeit nur 60 Miles sind, uns nicht beeindrucken. Meist sind lange Sandstrände eh nicht so interessant wie kleine Felsbuchten, so dass wir am Morgen rasch aufbrechen.
Wyang Park Winery
Für uns völlig unerwartet liegt das kleine fammiliengeführte Weingut mitten im Colquhoun Forrest. Ein paar Weinfelder gibt es schon, aber das meiste Umfeld besteht aus Bäumen, Eukalyptus, was sonst. Davon hat Australien ja 900 Arten zu bieten. Passend zum Wine-Tasting bestellen wir eine Käseplatte mit Humus sowie eine sehr leckere Fischsuppe mit Garnelen und Muscheln. Die Suppe ist so reichhaltig, dass es für heute keines weiteren Essens mehr bedarf.
Campground in Genoa
In Genoa verbringen wir drei Nächte auf dem örtlich Campground, da wegen des anhaltenden schlechten Wetters keine Notwendigkeit besteht weiter zu fahren. Der Ort bietet nicht viel, außer einem alten und vermutlich nicht mehr genutzten Hotel, das über Jahrzehnte eine Liquor Licence hatte, was in Zeiten als noch es keine drive through Liquor Stores gab, nicht ganz unerheblich war.
Mallacoota
Am dritten Tag in Genoa statten wir Mallacoota einen Besuch ab. Der Ort hat sogar ein richtiges Cafe, d.h. nicht nur eine Kaffeeausgabe an der Tankstelle. Auch eine Kunstgalerie die mit einem kunstvollem Netz neben dem Eingang auf sich aufmerksam macht und in der Linolschnitte sowie Bilder in Öl als auch Aquarelle hergestellt und zum Verkauf angeboten werden, findet sich hier. Ein weitläufiger Campingplatz, der ausnahmsweise mal direkt am Wasser liegt, rundet das Bild des beliebten Orts ab. Es gibt Orte an der Küste, da sind die Prioritäten andere, denn dort liegt der Friedhof und nicht der Campingplatz direkt am Meer. Beste Aussicht, nur was nutzt es noch? Wichtiger als die Örtlichkeit ist den australischen Campern ihre Nationalfahne. Gleich nach dem Ausrichten des Caravans, des Ausfahrens der Markise und dem Aufstellen der Stühle und des faltbaren Abfalleimers für die Bierdosen, wird häufig die Fahne gehisst bzw. am Wohnwagen angebracht. Die gesamte Prozedur wird immer durchgeführt und ist unabhängig vom Wetter. Markise und Abfalleiner müssen einfach sein. Indigene (Misch-)Völker lieben halt ihre Rituale 😉.
Die geschützte Bucht von Mallacoota ist wirklich ideal für die segelbegeisterten Australier. Hier gibt es reichlich Liegeplätze im ruhigen Gewässer. Einige Pelikane tummeln sich unter grauem Himmel und suchen nach Futter. Uns zieht es nun raus an die naheliegende Quarry Bucht.



Quarry Beach
Nach kurzem hellerem Himmel, der zu einigen Fotos der marmorierten Felsen verhilft, verdunkeln neue Wolkenberge den Himmel und leichter Nieselregen macht den Aufenthalt auch nicht besser. Übernachten am Strandparkplatz ist wieder einmal nicht gestattet, so dass wir nach zwei Stunden beharrlichen Wartens auf Wetterbesserung zurück nach Genoa auf den offiziellen Campground fahren.


Victoria
Der Bundesstaat Victoria ist abwechslungsreicher als Western und South Australia und hat uns außerordentlich gut gefallen. Er gibt zahlreiche Nationalparks, viele Campgrounds die von der Nationalparkgesellschaft oder einer Kommune verwaltet werden und bei denen eine unkomplizierte Online Anmeldung möglich ist. In WikiCamps und CamperMate sind die zahlreichen Stellen an denen es Frischwasser und Dump Points, zum entleeren der Toilette gibt, verzeichnet. Die Nationalparks sind mit sehr gut gewarteten Wanderwegen, Toiletten an den Parkplätzen und meist mit Picknick Sites versehen. Alles in allem eine gut ausgebaute Infrastruktur für Freizeit und Outdoor. Die großen etablierten Caravanparks sind zu 100% familientauglich, ähneln auch oft mehr einem Familienbad oder einem Kinderfreizeitparkt. Hier in Victoria gibt es beides, mehr naturbelassen als auch Familien- / Kinder taugliche Plätze.
Als nächstes wechseln wir in den Bundesstaat New South Wales und fahren entlang der Ostküste bis nach Sydney, von wo es für einen Urlaub in die Heimat geht.



































